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Published on
April 21, 2019

Türkisches Hamam

Ich suche also das Hamam Heybe und finde es schliesslich versteckt in einem Keller. Ich öffne die Türe und die Wärme des Bades schlägt mir entgegen. Sie haben eine grosse Auswahl an Massage-Angeboten. Ich frage, was denn traditionell in einem Hamam gemacht wird. Ein Peeling mit Seifenmassage sei empfehlenswert. Das Ambiente gefällt mir auf Anhieb. Eine Frau stellt sich als Eiseil vor und führt mich zur Garderobe. Die Gänge, die Umkleidekabine, alles ist sehr stilvoll gestaltet. Unzählige Duftkerzen brennen und verströmen einen angenehmen Geruch. In nur ein dünnes Tuch gehüllt, finde ich mich bald darauf in einer Sauna, die sich kaum von einer finnischen unterscheidet. Mir scheint ich sei hier der einzige Gast. Eiseil erklärt mir, ich solle nun zehn Minuten schwitzen und mich dann zehn Minuten entspannen. Selbstsicher giesse ich gleich mal kräftig Wasser über den Ofen. Schliesslich bin ich ja eine erprobte Saunagängerin, wenn auch nicht gerade eine regelmässige. Nach sieben Minuten fängt mein vorderster Körperteil (Brustwarzen) an zu brennen. Ich beuge mich etwas vor um dies zu unterdrücken. O.k. es wird besser. Nach einer weiteren, langen Minute wird mir langsam schwindlig. Ich habe es wohl übertrieben mit dem Aufguss. Es war mir aber auch gar nicht bewusst, wie unendlich heiss die Kammer eingestellt ist. 
Bevor die Sanduhr zehn Minuten angibt, wanke ich aus der Hitze und stolpere zu den Relaxe Stühlen, wobei ich über den ersten stolpere und es nur so kracht. Eiseil kommt herbeigeeilt und stellt alles wieder ordentlich hin. Ich lasse mich in einen Stuhl fallen und spüre wie mein Körper pulsiert. Im Kopf geht das Karussell so richtig ab. Ich bin froh um die Liege. Gerade als ich mich langsam erholt habe, kommt Eiseil zurück, um mich für das Peeling und die Seifenmassage abzuholen. Sie führt mich in einen Raum ganz aus Marmor: In der Mitte eine Erhöhung, fast wie ein überdimensionaler Marmor-Salontisch, aussen herum sind acht brunnenähnliche Lavabos angebracht. Ich lege mich auf die warme Platte in der Mitte und schliesse die Augen. Ich höre wie ein Becken mit viel Wasser gefüllt wird. Unvorbereitet macht es Flotsch und ich werde, wie eine verdurstende Pflanze, mit viel warmem Wasser übergossen. Meine Frisur, vor einer halben Stunde vom Coiffeur kunstvoll arrangiert, ist dahin. Ich gebe zu, die Reihenfolge meiner Aktivitäten heute ist nicht durchdacht, sondern den Wetterkapriolen entsprechend spontan entstanden. Während ich mich im Wasser auflöse, beginnt Eiseil mit einem rauen Lappen meinen Körper zu schrubben. Beim Bauch, ich kann es nicht leugnen, habe ich schon einen ordentlichen Schwimmring. Sie arbeitet an  dieser Region als könne sie mir mein Fett wegrubbeln. Himmel, kratzt das! „Werde ich da noch Haut haben, wenn sie fertig ist?“ schiesst es mir durch den Kopf.  Wieder und wieder schüttet sie warmes Wasser über mich. Dann als meine Haut nur noch hauchdünn ist, so empfinde ich es auf jeden Fall, ist das Peeling beendet. Danach folgen Unmengen von Schaum. Es ist so wunderbar angenehm, das ich mich gerade zu entspannen beginne, als sie mit der Massage loslegt. Schmerz durchzieht meinen Körper, nach und nach an den verschiedenen bearbeiteten Stellen. Am Rücken angelangt meine ich, sie trample mit ihrem ganzen Gewicht auf mir herum! Es stellt mir förmlich den Atem ab! Dann ein Knacken. Meine Gedanken rasen: „Um alles in der Welt, was mache ich hier? Geht meine Reise morgen weiter oder werde ich mit gebrochenen Wirbeln in einem hiesigen Spital liegen?“ Und wieder ein stechender Schmerz, jetzt ist sie an meiner rechten Schulter angelangt. Lässt sie ihren ganzen Lebensfrust an mir aus? Oder nerven sie die vielen Touristen? Ich weiss es nicht, ich weiss aber auch nicht, weshalb ich mich nicht wehre. Falscher stolz? Erst als sie wiederholt meine Schulter foltert, stöhne ich auf und sie meint beschwichtigend: „O.k., o.k., good, good“. Gedanklich sehne ich das Ende der Tortur herbei. Ich atme sichtlich erleichtert auf, als Eiseil schweissüberströmt ihr Tun beendet. Sie hat offensichtlich wirklich alles gegeben!
Published on
April 20, 2019

Gömere im Schnee

In der Nacht fällt wieder Regen. Am Morgen hängen die dunkeln Wolken tief. Grund genug um erst einen Cappuccino in einem netten Kaffee zu geniessen. Es ist noch nicht viel los in Gömere. Schnell habe ich mich am Fenster eines netten Lokals breit gemacht, als drei Männer hineinkommen und am Tisch neben mir Platz nehmen. Schnell verstricken wir uns in ein Gespräch. Mustafa ist Teppichhändler und ehemaliger Hotelbesitzer im Städtchen. Fatih und Mehmet sind seine Freunde und Geschäftsnachbarn. Erster verkauft Tücher und Stoffe, der Andere ist Juwelier. Es ist eine fröhliche Runde. „Und wie gefällt dir Gömere?“ fragen sie mich gerade heraus. Ich überlege kurz, wie offen ich ihnen gegenüber sein soll, entschliesse mich aber für eine ehrliche Antwort und sage: „Landschaftlich ist die Gegend faszinierend, eindrucksvoll und echt schön. Die Menschen, die hier leben sind, genau wie ihr drei, herzlich und sehr sympathisch. Für meinen Geschmack habt ihr einfach viel zu viele Touristen!“ Ein schmunzeln entweicht Mustafas Mundwinkeln. „Wir haben nur von einer Art Touristen zu viel!“ Er führt seine Zeigefinger zu seinen äusseren Augenwinkel und zieht diese zu Schlitzen auseinander. „Verstehst du?“ fragt er. Dies sei einer der Gründe, weshalb er sein gut laufendes Hotel verkauft hat. Die Chinesen, und nun nennt er sie leise beim Namen, interessieren sich einen Deut um Geschichte und Kultur der Türkei. Sie wollen nur das Passwort für das WiFi wissen und wo sie das nächste chinesische Restaurant finden! Es ist ein ständiges Posieren für Selfies. Jedoch knipsen sie kein einziges Foto, der Landschaft wegen. „Ganz neu kommen nun auch die Russen hierher“, meint er weder positiv noch negativ betonend. Mit der abschliessenden Einladung, seinen Laden zu besuchen um Tee oder Kaffee zu trinken, widmet er sich wieder seinen Freunden.

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Mit den ersten Sonnenstrahlen die durch die Wolkendecke lugen, verlasse ich meinen Voyeuren-Platz im Kaffee, eile zurück zum Camping und packe meinen Rucksack. Nach der langen Fahrerei durch all die Länder, möchte ich das Gebiet der markanten Tuffsteinformationen zu Fuss erkunden. Bereits vor dem Camping ragen Vulkan-Steinspitzen wie überdimensionale Schwerter aus dem Boden. Ich folge kleinen Gehwegen zwischen den sogenannten Feenkaminen hindurch. Für mich sehen sie aber eher wie Phallussymbole aus. Ich kann meine mehrstündige Wanderung abseits der Touristenpfade total geniessen. Als in der Ferne der Muezzin zum Gebet ruft, die Sonne meine Haut wärmt und der Geruch der blühenden Kamillen meine Sinne reizt, spüre ich wie Glückshormone meinen Körper durchströmen und Dankbarkeit mein Herz erfüllt.


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April 18, 2019

Gömere ich komme

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​Eine lange Fahrt steht mir heute bevor. Deshalb starte ich relativ früh. Ich habe mich gestern Abend von meinen Freunden verabschiedet, da sie morgens nie so früh hier sind. Sie wohnen alle in der nahegelegenen Stadt.
Ich fahre durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Abgesehen davon, dass ich es nie so grün erwartet hätte, ist die Reise ereignislos. Erst die rosa Farbe des Tut Gölu Sees fesselt mein Auge:  Eingebettet ins türkische Hochland, ist er einer der salzhaltigsten Seen der Welt. Solche Fakten reizen mich zwar nicht wirklich, dennoch sieht der riesige See wirklich faszinierend aus mit der rosa Farbe. Ich halte an, mache ein paar Fotos und weiter geht die Reise.
Schon als ich in die Nähe von Gömere komme, fallen mir die vielen Reisecars auf. Bei Uchisar fahre ich über einen Bergrücken und vor mir öffnet sich eine Landschaft überraschender Schönheit. Als ich meine Geschwindigkeit drossle, um das Bild, das sich mir zeigt, zu bewundern, provoziere ich damit ein richtiges Hupkonzert der Touristenbusse hinter mir.

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April 17, 2019

Türkische Manti


Der Morgen begrüsst mich mit Sonnenschein. Der Wächter winkt mir von weitem zu, als ich das Auto verlasse. Wenn ich so übernachte, freunde ich mich meist mit den Wächtern an. Von ihnen hängt oftmals Freud oder Frust einer Reise ab. Es steht in ihrer Ehre, dass der Reisende sicher aufgehoben ist. Sie sind meist ehrlich interessiert wo die Reise hinführt, wie mir ihr Land gefällt und wo mein Reisegefährte ist. Wenn ich dann sage, die Reise gehe nach Kirgisistan, entlockt es ihnen schon ein: „Ohhhh long trip“. Wenn ich dann aber noch erkläre, dass ich alleine unterwegs bin, werden ihre Augen gross, der Kiefer fällt runter und sie rufen: „No, no this is to much danger!“ Es braucht dann meinerseits viel Überzeugungskraft, ihnen glaubhaft zu vermitteln, dass ich es schon schaffen werde. Wenn sie von mir jeweils erfahren, dass ich früher schon alleine durch Afrika gefahren bin, nicken sie anerkennend.

Bis jetzt war ich immer der Überzeugung, dass wir Schweizer die besten Tunnelbauer der Welt sind. Bei meiner Weiterfahrt durch den 5,4 Kilometer langen AVRASYA TÜNELI, zu Deutsch: Eurasien-Tunnel, wird mir Bewusst, dass ich nun den europäischen Kontinent verlasse und nun auf dem asiatischen Kontinent stehe. Unter dem Bosporus hindurch, wird der Tunnel indirekt blau beleuchtet, was mir ungemein eindrücklich erscheint.  Die Türken haben hier mit diesem Tunnel ein Meisterwerk vollbracht! Die Autobahn hinaus aus der Metropole, ist wesentlich übersichtlicher und geradezu einfach zu fahren. Ein weiteres Mal staune ich heute, als ich über die Hängebrücke Osman-Gazi fahre. Es scheint der kleine Bruder der Golden Gate Bridge in den USA zu sein. Unter mir das Wasser des Golfs von Izmir, ein Teil des Marmarameeres.
Mein Ziel heute: Das westliche Ufer des Iznik Sees. Neben dem Restaurant 88 parkiere ich den Milvus unter Fichtenbäumen. Schon beim Hinstellen kommt mir der Besitzer Tuna freudig entgegengelaufen: „Welcome, welcome“, sprudelt es geradezu aus ihm heraus. Was nun für den Rest des Tages folgt ist einfach nur unglaublich herzlich, gastfreundlich, schön, interessant und einfach unvergesslich!
Da er mein Auto gesehen hat, fragt er gleich nach meinem Instagram. Ganz stolz, neu Mitglied dieses Social Media Zweigs zu sein, zeige ich ihm meinen trip-top Account. Sein Gesicht verzieht sich, als würde er Schmerz empfindet: „Was, du hast nur 110 Follower?“ Etwas schüchtern und fast entschuldigend erkläre ich meine Lage mit: „Ich bin erst seit kurzem dabei und es ist mir nicht wichtig wie viele Follower ich habe“. Er zeigt mir seinen Account mit über 10'000! „Ich will dir helfen und zeige dir, wie das geht“ ruft er aus und nimmt mein Handy. Er läuft damit in sein Restaurant, wo seine ganze Familie beim Tee trinken sitzt. Nun filmt er die ganze Vorstellungszeremonie und postet sie sogleich! „Du musst lernen ganz viele Videos zu machen und als Story zu posten“, ist sein Vorschlag. Dann packt er mich und läuft durch seinen Garten bis zum Meer, wo ein gekentertes Floss schräg am Ufer liegt. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen steht bereit und wir nehmen Platz. Er macht nun weitere Videos und interviewt mich mit seinem Smartphone und erklärt: „Warte nur, ich poste jetzt ein paar Videos mit dir und deinem Account. Bestimmt hast du noch heute Abend mindestens hundert Follower mehr!“ Langsam wird mir die Sache ein wenig peinlich. Ich bin froh als sein Telefon klingelt und er weiter gehen muss. Erleichtert stosse ich ein „no Problem“ hervor und bleibe alleine auf dem Floss zurück.
Ich meditiere auf dem Floss und kann meine Energie und meine Reise in Einklang bringen. Ich bin glücklich und dankbar um all diese Begegnungen, die ich erleben darf!
Zurück im Restaurant, ist die ganze Familie am türkisch Manti fabrizieren. Manti, sind gefüllte Teigtaschen, ähnlich unserer Ravioli. Der Teig ist bereits gemacht und wird von verschiedenen Personen ausgerollt und auf eine Schablone gelegt. Die älteste Frau des Teams verteilt die Hackfleisch-Mischung aus Rind und Lamm auf die einzelnen Taschen. Dann einen Teigdeckel drauf und wieder rollen. Die Manti werden auf ein Blech gelegt und landen im Tiefkühler für später in der Saison. Ich fotografiere das Team und helfe mit beim Ausrollen. Zum Schluss werden einige der Manti gekocht und mit einer Joghurt Sauce serviert. Wir alle essen gemeinsam davon. Es wird gelacht, mit den wilden Kindern geschimpft und geplaudert. Ein herzliches Dankeschön an die lieben Menschen, dass ich für ein paar Stunden Teil dieser wunderbaren Familie sein durfte!
 

Published on
April 16, 2019

Türkei ich komme!

Ich bin lange hin und her gerissen, ob meine Reise durch Istanbul führen soll oder ob ich südlich, mit einer Fähre die Grossstadt umfahre. Ich entschliesse mich für das Chaos der Stadt. Wenn schon, dann richtig; das ist meine Devise! Im Tohuwabohu der Altstadt gibt es einen öffentlichen Parkplatz, dort will ich über Nacht stehen. Mein Ziel steht nun fest.
Zuerst habe ich aber den Grenzübertritt in das erste Nicht-EU-Land vor mir. Auf griechischer Seite geht es ruck-zuck. Über eine Brücke führt mich der Weg zur türkischen Grenzabfertigung. Zum Glück habe ich vor mir einen Kleinwagen, dem ich durch das kilometerlange Labyrinth von wartenden Lastwagen folgen kann. Die Passkontrolle ist unerwartet zügig und schon fahre ich weiter zum Zoll. Hier wird jedes Fahrzeug kontrolliert. Ich öffne dem Zöllner die Seitentüre und die Heckklappe; als Bestätigung möchte er wissen: „Camping? “ - „Yes, yes Camping“, bestätige ich und weiter geht’s. Danach muss ich die Autopapiere am Schalter zeigen und fertig ist der Zauber der Einreise. Unglaublich wie gut hier alles läuft! Als ich mit meinen Papieren an den letzten Schalter will, kommt eine junge Zöllnerin auf mich zu und verlangt meine Dokumente. „Ahhh! Wo ist die Bestätigung, dass Sie das Auto von Marcel Frei fahren dürfen? (Where is your authorization for the car)?“ Fragt sie mich etwas zu forsch für meinen Geschmack. Sichtlich stolz auf ihre Spitzfindigkeit geht sie mit meinen Unterlagen zu einer Gruppe Männer, die als Zöllner höhere Ränge innehaben. Der wahrscheinlich wichtigste Mann der Gruppe hat wenig Interesse an ihrem Anliegen. Einem Jüngeren kommt die Gelegenheit aber gerade richtig, um sich vor mir aufzuspielen. „Park your car!“ Befiehlt er mir und zeigt mit dem Finger wo. „Du kannst so nicht einreisen! Wir wissen ja nicht, ob du mit dem Auto von deinem Mann reisen darfst oder ob du es ihm gestohlen hast!“ Seelenruhig ob dem Machtgehabe, parkiere ich das Auto wie mir geheissen. Solche Spielereien bringen mich schon lange nicht mehr aus der Ruhe! Hier möchten sich nur zwei junge Zöllner bei ihren Vorgesetzten privilegieren. Als ich ohne Hektik wieder zu der Gruppe zurück gehe, kommt mir bereits der Chef mit meinen Papieren entgegen. „Es ist sinnvoll, dass Sie sich eine Bestätigung von Ihrem Mann geben lassen für das Fahren seines Autos. Dann haben Sie in Zukunft keine Probleme. Vor allem wenn Sie in den Iran weiterreisen möchten“. Jetzt könne ich aber weiterfahren. Er verabschiedet mich mit den Worten „Welcome to Turkey“. Im Hintergrund meine ich die beiden vorlauten Zöllner schmollend in meine Richtung blicken zu sehen. Als ich ihnen als Abschied zunicke, schauen sie demonstrativ weg. „Dann halt nicht“, denke ich bei mir.
Ich bin überwältigt von der Metropole Istanbul. Meine Fahrweise entspricht hier nicht ganz dem Schweizer Standard. Oft muss ich im letzten Moment ein, zwei Spuren wechseln oder ich erkenne im letzten Augenblick eine Ausfahrt, die ich nehmen muss und schwenke, ganz dem türkischen Verkehr angepasst, urplötzlich ab. Zum Glück finde ich ohne Verkehrsunfall den Nachtplatz. Dieser liegt direkt am Meer, von wo ich die grosse Kuppel der blauen Sultans-Moschee in der Altstadt erblicken kann. 
Mit dem Fotoapparat bewaffnet, versinke ich in einem Meer aus Gassen, alten Häusern, Shops, Verkäufern, Touristen, Gläubigen, Moscheen, Handkarren, Bussen, und, und, und. Istanbul ist eine Stadt voller Leben! Ich kann mich nicht satt sehen ab dem ganzen Trubel. Todmüde kehre ich am Abend, nachdem der Muezzin mit seiner Singstimme über die Stadt gerufen hat, zurück zum Auto. Alle Parkplätze sind nun voll besetzt. Händler mit Handkarren verkaufen Essbares. Es tummeln sich lokale Familien an der Strandpromenade. Ich schaue dem Treiben noch zu, bevor meine Augen zufallen.

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April 15, 2019

Und weiter geht es!

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Die ganze Nacht und den ganzen Vormittag regnet es weiter. Meine Stimmung ist etwas gesunken, da ich gerne einen Tag hierbleiben und das griechische Leben geniessen wollte. Als ich mich spät aus dem Schlafsack schäle und endlich aufstehe, sehe ich neben mir ein kleines Zelt, völlig durchnässt am Boden. Vor dem geschlossenen Camping-Kaffee, es ist bereits nach zehn Uhr, sitzt völlig verfroren eine junge Frau. Sie ist wohl die Besitzerin des Zeltes neben mir. Ich lade sie zu mir ins Auto ein und wir trinken gemeinsam einen Tee und plaudern gemütlich über unsere Reisen und Ziele. Sie ist mit dem Bike unterwegs. Seit zehn Tagen fährt sie nun schon im Regen. Ihr ganzes Gepäck ist triefend nass. Sie meint dazu nur lapidar: “that’s life“. Da kann ich mich ja wohl nicht beklagen, wenn ich an meine Luxus-Situation denke. Sie erzählt mir: „Das grösste Problem sind die Hunde. Sie rennen mir hinterher und ich weiss nie, ob sie wirklich in meine Beine beissen möchten oder ob sie mir nur hinterherrennen. Auf jeden Fall hat ein Hund mir in den hinteren Reifen gebissen. Das war gar nicht lustig“, endet sie.
Als wir beide wieder aufgewärmt und trocken sind, wünsche ich ihr von Herzen gutes Wetter und viele emotional schöne Momente, auf ihrer Reise. Obwohl wir uns kaum länger als zwei Stunden kennen, verabschieden wir uns herzlich als Freunde.
Das finde ich immer wieder faszinierend auf Reisen: Da kenne ich jemand kaum einen halben Tag und trotzdem fühle ich mehr Verbundenheit mit dieser Person, als mit vielen Menschen aus der Schweiz, die ich schon Jahre kenne.
Am Mittag halte ich es nicht mehr aus. Ich schliesse das nasse Dachzelt und fahre in Richtung Türkei. Sobald ich die Sonne sehe, so mein Vorsatz, halte ich an und verweile! 
Kurz vor der türkischen Grenze bei Alexandroupoli ist es dann endlich soweit! Bei Sonnenuntergang schlendere ich dem idyllischen Sandstrand entlang. Ein Fischerehepaar ist bei der Arbeit. Ihre vier Angelruten werfen sie wiederholt ins Wasser. Der Fang sei schlecht, meint der Mann mit irrwitzigen Handzeichen. Wir lachen gemeinsam über unsere Konversation, die leider gar keine ist, da die Beiden nur griechisch Sprechen. Es tut gut mal ein paar Schritte zu laufen, nach der ganzen Fahrerei. Und so gehe ich dem Strand entlang bis die Nacht einbricht.

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Published on
April 15, 2019

Griechenland fällt ins Wasser

Bei heftigen Gewittern fahre ich in die Nacht hinein. Es blitzt und donnert unaufhörlich. Die Autobahn ist in einem tadellosen Zustand und kaum befahren. Ich bin sehr froh darum, denn Müdigkeit bemächtigt sich meiner. Ich bin bereits über zehn Stunden unterwegs, mit nur kurzen Fotostopps und einem Mittagshalt in einem lokalen Kaffee. Mein Navi, also Google, führt mich direkt zum Camping, den ich mir vor einer Stunde im Internet herausgesucht hatte. Nun schüttet es gerade wieder so richtig und ich stehe vor einem verschlossenem Camping. Macht nichts, es soll hier viele weitere geben. Leider nur viele ebenso verschlossene! Wie ich später im einzig geöffnetem Camp erfahre, fängt die Saison erst im Mai an. 
Wie es aber beim Reisen immer ist: Am Schluss kommt doch noch alles gut, weil man irgendwo einen Helden oder eine Heldin findet, die sich einem annimmt: Sie fährt mir mit ihrem Auto zum eizigen geöffnetem Camping vor und verabschiedet mich dort wie eine alte Bekannte und wünscht mir für meine weitere Reise alles Gute! Genau das sind die Momente die emotional im Gedächtnis bleiben und die ich noch viele Jahre immer wieder erzählen werde.
Published on
April 14, 2019

Albanien und die Autofahrer

In der Nacht hat es wiederholt geregnet und auch am Morgen ist es nieseilg und feucht. Schnell ist gepackt und es geht weiter: Von der Küste weg fahre ich Richtung albanische Grenze. Der Lebensstandard ist hier markant anders als noch an der Küste: Die Häuser sehen einfacher oder zum Teil auch zerfallen aus. Es liegt mehr Müll herum als an der Küste, wo einige 4- und 5-Sterne Hotelkolosse hingeklotzt wurden und deshalb die Umgebung müllfrei gehalten wird. Die Fahrt geht nur langsam vorwärts. Die schlechte Strasse ist lange Zeit nur einspurig befahrbar und da wird es schon eng, wenn mir ein Car oder Lastwagen entgegen kommt. 
Der albanische Zoll kommt mir eher wie eine überdimensionale Vogelvoliere vor als wie eine Grenzstation. Von weitem höre ich lautes Vogelgezwitscher. Als ich das Gebäude erreiche und brav in der Warteschlange der Autos stehe, sehe ich wie verschiessen der ganze Boden und die Gebäude sind. Die ganze Zollabfertigung ist offen überdacht und anscheinend ein wunderbarer Nistplatz für hunderte von Vögeln. Mir gefällt das Gezwitscher auf jeden Fall. Es entspannt die ganze Situation des Grenzübertritts. 
Wenn ich an Albanien denke kommt mir immer Richsteiners Doppeladler beim Fussball in den Sinn. Dabei schaue ich werder Fussball noch interessiere ich mich dafür. Trotzdem wurde diese Szene durch alle Schweizer Medien gezogen und hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. 
Aus Zeitgründen war für mich von Anfang an klar, dass ich das Land nur durchfahren werde. Sofort fällt mir hier die Fahrweise der Bevölkerung, mehrheitlich männlich, auf. Es gibt zwei Typen am Steuer: Typ eins schleicht mit kaum mehr als 50 km/h durch die Landschaft. Meist liegt es daran, dass das Gefährt, mehrheitlich mit einem Stern auf der Kühlerhaube, wohl nicht mehr Leistung herausbringt. Nichts desto trotz fährt man(n) selbstbewusst mitten auf der Strasse, um ja nicht zu leicht überholt werden zu können. 
Typ zwei ist auch mehrheitlich mit einem Stern auf dem Kühlergrill unterwegs. Das Fahrzeug ist aber neueren Datums und deshalb vor allem schnell! Das heisst: Wenn ich in den Rückspiegel schaue und noch kein Fahrzeug sehe und ich kaum eine Minute später mit viel Licht geblendet oder gar mit der Hupe von der Strasse geschickt werde, klebt Typ zwei an meiner Stossstange. Beide Fahrstile bereiten mir Sorgen und vermiesen den Fahrspass. Ich habe noch in keinem anderen Land so viele Autofriedhöfe mit angegliederter Garage gesehen wie in Albanien. Landschaftlich hat mir die zweite Hälfte der Fahrt, von Tirana dem Fluss Shkumbin entlang in die Berge hinauf zum Ohridsee gut gefallen. Die Wildkirsche ist in voller Blüte und verzaubert den Flusslauf in ein lila Band. Wieder regnet es und Gewitter ziehen über das Hochland. Es ist kalt und gruselig und es zieht mich trotz spätem Nachmittag nach Griechenland. In der Hoffnung dort die Sonne wieder zu finden. Der Albanische Zöllner fordert mich zum ersten mal auf den Camper hinten zu öffnen, damit er hineinschauen kann und fragt mich offen, ob ich Drogen mitführe. «Natürlich nicht!» fällt es aus mir heraus. Zum Abschied fragt er mich dann noch, ob ich eine Zigarette hätte. 

Published on
April 13, 2019

Weiter nach Montenegro

Weiter geht meine Reise der Küstenstrasse entlang bis nach Montenegro. Der Weg schlängelt sich der steilen Küste entlang. Wo es landschaftlich ein wenig breiter wird, hat es meist ein Dorf oder wie in Dubrovnik eine Stadt. Unzählige Schilder weisen auf Hotels, Appartements und Zimmer hin. Die Saison hat noch nicht begonnen und deshalb sind viele der farbigen Fensterläden noch geschlossen. 
An einem Streckenabschnitt haben sich die Berge etwas zurückgezogen. Die daraus entstandene Ebene besteht aus einem Fleckenteppich aus Orangen-, Mandarinen-, Feigen-, und Kernobst-Plantagen. Der Strasse entlang steht ein Verkaufsstand nach dem anderen. Die Bauern bieten ihre Erträge aus den Feldern feil und dazu hausgemachte Konfitüre, Fruchtsäfte oder eingemachtes Gemüse. Ich halte an und möchte mir einen frisch gepressten Orangensaft kaufen. In Literflaschen stehen sie reihenweise da. Eine ältere geschäftstüchtige Frau winkt mich schon von weitem zu sich und zu ihrem Stand. Kaum bin ich in ihrer Reichweite, drückt sie mir eine getrocknete Feige im meine Hand. Ich müsse probieren! Ja klar das mache ich doch gerne: «sehr gut» mein Kommentar, «aber ich möchte einen frisch gepressten Orangensaft und keine Feigen». Die Frau nimmt eine Flasche aus dem Regal hinter ihr und reicht sie mir. Die Farbe scheint mir für einen frischen gepressten Fruchtsaft etwas zu penetrant orange. Fruchtfleisch sehe ich auch keines. «Ist der Saft denn auch wirklich frisch?» Frage ich. Die Frau ganz selbstsicher: „Natürlich! Vier Euro». Ein recht stolzer Preis für hiesige Verhältnisse. Trotzdem, ich mag nicht immer feilschen und gebe ihr einen Zehneuro-Schein. Sie kommt mit zwei Euro zurück und meint, sie habe kein Rückgeld und ich solle noch eine Flasche nehmen. Das war nun doch des Guten zu viel!  Ich öffne die Flasche, nehme einen kleinen Schluck daraus und mein Verdacht, dass mich die Alte über den Tisch ziehen will, bestätigt sich sofort. «Das ist ein Pulvergetränk!» protestiere ich. Sie nimmt die Flasche wortlos zurück und stellt sie wieder in das Regal. Dann nimmt sie eine andere hervor und meint: «Frischer Mandarinensaft». Ich verlange meine zehn Euro zurück, die sie mir ohne weiteren Kommentar gibt.  Ich lasse sie vor ihrem Stand stehen und fahre weg. Dem nächsten Touristen wird sie bedenkenlos und ohne zu zögern die angebrochene Flasche, die ich bereits probiert hatte, wieder verkaufen!
In Montenegro geht es zuerst weiter der schroffen Küste entlang. Landschaftlich werden die Felsflanken jetzt noch eindrücklicher und sind nun völlig Verzweigt. Ich fahre Stunde um Stunde und scheine kaum vom Fleck zu kommen. Zwischendurch scheint die Sonne, dann regnet es wieder und zum Schluss spannt sich ein doppelter Regenbogen wie ein Tor über das Tal. Ich nehme dies als ein gutes Omen für meine Reise wahr, die voller Farbe und Eindrücke sein sollte!

 
Published on
April 12, 2019

Auf dem Weg

​Slovenien Kroatin


Slovenien lerne ich nur kurz, für einen Atemzug bei der Durchreise, kennen. Es regnet ununterbrochen. Schemenhaft meine ich hohe Berge und ausgedehnte Wälder zu erahnen. Kaum eine Stunde ist vergangen und schon passiere ich die Grenze zu Kroatien. Das Wetter wird noch schlechter und bei drei Grad Kälte fängt es an zu schneien.  Ich entscheide mich, des Wetters wegen , auf der Autobahn in den Süden zu fahren. Bei Split verlasse ich diese und folge der holprigen Küstenstrasse. Wunderschön und fast dramatisch nehme ich die Landschaft wahr. Links, steilaufragende, steinige Felshänge; bewachsen mit Olivenbäumen und anderen mediterranen Gewächsen. Rechts das tiefblaue Meer mit den vorgelagerten Inseln. Spontan halte ich gegen Abend bei einem kleinen Camp. Das steile Gelände wird hier durch Terrassen geebnet und bietet eine traumhafte Aussicht auf das Meer. Gerade als ich eintreffe und mein Blick über das Wasser schweift, schwimmen drei Delfine, ganz nahe der Küste, gemächlich vorüber. Ich geniesse diesen wunderschönen Augenblick.
Mirco, der Camp-Inhaber hat als Gastgeber offensichtlich seine Passion gefunden. Herzlich und familiär führt er die Unterkunft mit seiner Familie. Zuerst offeriert er jedem Ankömmling seine selbstgebraute Medizin: In meinem Fall einen dunklen Baumnusslikör, den er liebevoll Motorenöl nennt. Zur Auswahl hat er aber noch Aspirin, einen Kräuter, Antibiotika , einen Grappa und einen Kirsch, den er Liebestrank nennt. Da ich aber alleine Unterwegs bin, kommt dieser heute für mich nicht in Frage. Obwohl ich eigentlich genug Essen im Auto mitführe, bestelle ich einen gegrillten Fisch mit Gemüse. Es ist unnötig zu erwähnen, wie köstlich das frisch zubereitete, lokale Essen schmeckt!

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