Weiter geht meine Reise der Küstenstrasse entlang bis nach Montenegro. Der Weg schlängelt sich der steilen Küste entlang. Wo es landschaftlich ein wenig breiter wird, hat es meist ein Dorf oder wie in Dubrovnik eine Stadt. Unzählige Schilder weisen auf Hotels, Appartements und Zimmer hin. Die Saison hat noch nicht begonnen und deshalb sind viele der farbigen Fensterläden noch geschlossen. 
An einem Streckenabschnitt haben sich die Berge etwas zurückgezogen. Die daraus entstandene Ebene besteht aus einem Fleckenteppich aus Orangen-, Mandarinen-, Feigen-, und Kernobst-Plantagen. Der Strasse entlang steht ein Verkaufsstand nach dem anderen. Die Bauern bieten ihre Erträge aus den Feldern feil und dazu hausgemachte Konfitüre, Fruchtsäfte oder eingemachtes Gemüse. Ich halte an und möchte mir einen frisch gepressten Orangensaft kaufen. In Literflaschen stehen sie reihenweise da. Eine ältere geschäftstüchtige Frau winkt mich schon von weitem zu sich und zu ihrem Stand. Kaum bin ich in ihrer Reichweite, drückt sie mir eine getrocknete Feige im meine Hand. Ich müsse probieren! Ja klar das mache ich doch gerne: «sehr gut» mein Kommentar, «aber ich möchte einen frisch gepressten Orangensaft und keine Feigen». Die Frau nimmt eine Flasche aus dem Regal hinter ihr und reicht sie mir. Die Farbe scheint mir für einen frischen gepressten Fruchtsaft etwas zu penetrant orange. Fruchtfleisch sehe ich auch keines. «Ist der Saft denn auch wirklich frisch?» Frage ich. Die Frau ganz selbstsicher: „Natürlich! Vier Euro». Ein recht stolzer Preis für hiesige Verhältnisse. Trotzdem, ich mag nicht immer feilschen und gebe ihr einen Zehneuro-Schein. Sie kommt mit zwei Euro zurück und meint, sie habe kein Rückgeld und ich solle noch eine Flasche nehmen. Das war nun doch des Guten zu viel!  Ich öffne die Flasche, nehme einen kleinen Schluck daraus und mein Verdacht, dass mich die Alte über den Tisch ziehen will, bestätigt sich sofort. «Das ist ein Pulvergetränk!» protestiere ich. Sie nimmt die Flasche wortlos zurück und stellt sie wieder in das Regal. Dann nimmt sie eine andere hervor und meint: «Frischer Mandarinensaft». Ich verlange meine zehn Euro zurück, die sie mir ohne weiteren Kommentar gibt.  Ich lasse sie vor ihrem Stand stehen und fahre weg. Dem nächsten Touristen wird sie bedenkenlos und ohne zu zögern die angebrochene Flasche, die ich bereits probiert hatte, wieder verkaufen!
In Montenegro geht es zuerst weiter der schroffen Küste entlang. Landschaftlich werden die Felsflanken jetzt noch eindrücklicher und sind nun völlig Verzweigt. Ich fahre Stunde um Stunde und scheine kaum vom Fleck zu kommen. Zwischendurch scheint die Sonne, dann regnet es wieder und zum Schluss spannt sich ein doppelter Regenbogen wie ein Tor über das Tal. Ich nehme dies als ein gutes Omen für meine Reise wahr, die voller Farbe und Eindrücke sein sollte!