Ich suche also das Hamam Heybe und finde es schliesslich versteckt in einem Keller. Ich öffne die Türe und die Wärme des Bades schlägt mir entgegen. Sie haben eine grosse Auswahl an Massage-Angeboten. Ich frage, was denn traditionell in einem Hamam gemacht wird. Ein Peeling mit Seifenmassage sei empfehlenswert. Das Ambiente gefällt mir auf Anhieb. Eine Frau stellt sich als Eiseil vor und führt mich zur Garderobe. Die Gänge, die Umkleidekabine, alles ist sehr stilvoll gestaltet. Unzählige Duftkerzen brennen und verströmen einen angenehmen Geruch. In nur ein dünnes Tuch gehüllt, finde ich mich bald darauf in einer Sauna, die sich kaum von einer finnischen unterscheidet. Mir scheint ich sei hier der einzige Gast. Eiseil erklärt mir, ich solle nun zehn Minuten schwitzen und mich dann zehn Minuten entspannen. Selbstsicher giesse ich gleich mal kräftig Wasser über den Ofen. Schliesslich bin ich ja eine erprobte Saunagängerin, wenn auch nicht gerade eine regelmässige. Nach sieben Minuten fängt mein vorderster Körperteil (Brustwarzen) an zu brennen. Ich beuge mich etwas vor um dies zu unterdrücken. O.k. es wird besser. Nach einer weiteren, langen Minute wird mir langsam schwindlig. Ich habe es wohl übertrieben mit dem Aufguss. Es war mir aber auch gar nicht bewusst, wie unendlich heiss die Kammer eingestellt ist. 
Bevor die Sanduhr zehn Minuten angibt, wanke ich aus der Hitze und stolpere zu den Relaxe Stühlen, wobei ich über den ersten stolpere und es nur so kracht. Eiseil kommt herbeigeeilt und stellt alles wieder ordentlich hin. Ich lasse mich in einen Stuhl fallen und spüre wie mein Körper pulsiert. Im Kopf geht das Karussell so richtig ab. Ich bin froh um die Liege. Gerade als ich mich langsam erholt habe, kommt Eiseil zurück, um mich für das Peeling und die Seifenmassage abzuholen. Sie führt mich in einen Raum ganz aus Marmor: In der Mitte eine Erhöhung, fast wie ein überdimensionaler Marmor-Salontisch, aussen herum sind acht brunnenähnliche Lavabos angebracht. Ich lege mich auf die warme Platte in der Mitte und schliesse die Augen. Ich höre wie ein Becken mit viel Wasser gefüllt wird. Unvorbereitet macht es Flotsch und ich werde, wie eine verdurstende Pflanze, mit viel warmem Wasser übergossen. Meine Frisur, vor einer halben Stunde vom Coiffeur kunstvoll arrangiert, ist dahin. Ich gebe zu, die Reihenfolge meiner Aktivitäten heute ist nicht durchdacht, sondern den Wetterkapriolen entsprechend spontan entstanden. Während ich mich im Wasser auflöse, beginnt Eiseil mit einem rauen Lappen meinen Körper zu schrubben. Beim Bauch, ich kann es nicht leugnen, habe ich schon einen ordentlichen Schwimmring. Sie arbeitet an  dieser Region als könne sie mir mein Fett wegrubbeln. Himmel, kratzt das! „Werde ich da noch Haut haben, wenn sie fertig ist?“ schiesst es mir durch den Kopf.  Wieder und wieder schüttet sie warmes Wasser über mich. Dann als meine Haut nur noch hauchdünn ist, so empfinde ich es auf jeden Fall, ist das Peeling beendet. Danach folgen Unmengen von Schaum. Es ist so wunderbar angenehm, das ich mich gerade zu entspannen beginne, als sie mit der Massage loslegt. Schmerz durchzieht meinen Körper, nach und nach an den verschiedenen bearbeiteten Stellen. Am Rücken angelangt meine ich, sie trample mit ihrem ganzen Gewicht auf mir herum! Es stellt mir förmlich den Atem ab! Dann ein Knacken. Meine Gedanken rasen: „Um alles in der Welt, was mache ich hier? Geht meine Reise morgen weiter oder werde ich mit gebrochenen Wirbeln in einem hiesigen Spital liegen?“ Und wieder ein stechender Schmerz, jetzt ist sie an meiner rechten Schulter angelangt. Lässt sie ihren ganzen Lebensfrust an mir aus? Oder nerven sie die vielen Touristen? Ich weiss es nicht, ich weiss aber auch nicht, weshalb ich mich nicht wehre. Falscher stolz? Erst als sie wiederholt meine Schulter foltert, stöhne ich auf und sie meint beschwichtigend: „O.k., o.k., good, good“. Gedanklich sehne ich das Ende der Tortur herbei. Ich atme sichtlich erleichtert auf, als Eiseil schweissüberströmt ihr Tun beendet. Sie hat offensichtlich wirklich alles gegeben!