Sambia solo!
Die Sonne ist noch hell und wenn ich auf den Chobe hinaus schaue, muss ich die Augen zukneifen, um das Wasser und das gegenüberliegende Ufer zu sehen. Dennoch scheint das Licht nicht mehr so hart und es taucht die Landschaft in gelbes Licht. Weit entfernt höre ich die Flusspferde grunzen und irgendwo auf einem Sundownerschiff scheint eine Party zu steigen, denn Gegröle und Gesang vermischt mit Gelächter dringen zu mir. Je mehr die Sonne sich dem Horizont zuneigt, desto goldiger bis fast orange verschmilzt der Himmel mit dem Wasser. Nur die wenigen Akazien heben sich dunkel vom goldenen Meer ab. Der Lichtstrahl der Sonne spiegelt sich im Wasser wie ein glühendes Schwert.
Die Bar füllt sich langsam mit Sundowner Fototouristen, welche gleichzeitig miteinander von den Safaris des vergangenen Tages prahlen. Dazwischen wird einander zugeprostet und die wunderbare Ruhe, die Tierstimmen verstummen im allgemeinen Palaver.
In der Zwischenzeit berührt der nun rote Sonnenball den Horizont und verliert die Kraft die Landschaft weiter mit einem grandiosen Farbenspiel zu verzaubern. Wie ein Ball fällt die Sonne unter den Horizont und ist schnell verschwunden. Mit der Sonne gehen auch die Touristen. Das Konzert der Insekten kann wiederbeginnen und wird durch nichts mehr gestört.
Ich sitze alleine hier in Kasane, vielleicht etwas einsam, da Marcel heute Nachmittag in die Schweiz zurück geflogen ist und mit Raphael zusammen dann nach Lusaka kommen wird, wo ich das Auto hinfahren werde. Da nur 600 Asphalt-Kilometer, eine Flussquerung mit einer Fähre und ein Grenzübergang dazwischen liegen, habe ich viel Zeit. Ungewohnt viel Zeit, die ich in der Schweiz mit meiner Arbeit, mit Familie, Hund und Haus mit Garten üblicherweise nicht habe. Etwas verloren überlege ich, wie ich diese Zeit nutzen will. Zeit ist etwas unfassbares und kann sich ständig verändern. Überhäufe ich meine Reise nach Lusaka mit vielen Zielen, um möglichst viel zu sehen und zu erleben, so wird die Zeit kostbar und kurz. Die Sehenswürdigkeiten und Eindrücke würden wie lose Blätter an mir vorbei fliegen und nichts würde an mir haften bleiben. Ich möchte aber Zeit haben, ein afrikanisches Phänomen, das uns schon lange verloren gegangen ist. Ich möchte die Zeit spüren und erleben wie es ist, wenn man einfach endlos Zeit hat. Warum fällt es mir so schwer?
Die Menschen hier haben Zeit, egal ob sie in einem Büro arbeiten, an der Strasse sitzen und auf eine Mitfahrgelegenheit warten oder in ihren Dörfern leben, wo sich keiner nach der Uhr richtet, sondern nach dem Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Für die Afrikaner ist die Zeit einfach da und wird als solche auch nicht wahrgenommen.
Bevor ich die Fähre über den Chobe nach Sambia überhaupt sehe, fahre ich an einer mehr Kilometer langen Warteschlange schwerer Lastwagen vorbei. Warten die auf die Abfertigung oder auf die Fähre? Das kann ja noch heiter werden. Als ich meinen Ausreisestempel im Pass habe und die Autoformalitäten erledigt sind, fahre ich zur Anlegestelle und bin erstaunt wie geregelt es zu und her geht. Ich werde gleich auf die Fähre gewinkt, auf der bereits ein riesen Laster und ein PW stehen. Pro Flussquerung kann also nur ein Lastwagen befördert werden, deshalb die wartenden Trucks. PWs hat es kaum und die können dann auch gleich auf das Schiff . Auf der anderen Seite, also in Sambia wartet dafür das absolute Chaos. Natürlich werde ich gleich einmal von vielen Halbwüchsigen umstellt, die mir ihre Dienste als Routenläufer durch den Einreisemarathon anbieten. Ohne einen dieser dubiosen Gestalten wäre ich für Stunden beschäftigt. Ich entscheide mich für einen eher älteren Mann, der sogar eine offizielle Marke vom Zollamt trägt. In Sachen Arbeitsbeschaffung sind die Afrikaner absolute Künstler. Er leitet mich von der Immigration, wo ich Visa und Stempel erhalte, zur Polizei, wo ein längeres Formular ausgefüllt wird, in dem alle Angaben zum Auto festgehalten werden. Es scheint sogar System zu haben! Weiter werde ich in vier armseligen Büros, für afrikanische Verhältnisse, viel Geld los. Als ich zum Fordofant zurück kehre, ist dieser tip top gereinigt worden. Ein Junge lacht mich breit an und stellt sich als Josef vor. Er habe mein Auto so gründlich gereinigt! Ein anderer erklärt mir, während er dem Fordofant, vorne zwei weisse und hinten zwei rote Reflektor-Kleber anbringt, wie wichtig es sei, diese Sticker zu besitzen. Wenn ich in eine Polizeikontrolle käme und keine am Wagen angebracht seien, müsse ich eine Busse von 500 US Dollar bezahlen! Bevor ich in die Freiheit Sambias entlassen werde, schleudern mir die jungen Männer ihre unverschämten Geldforderungen an den Kopf. Zulange bin ich schon in Afrika unterwegs, um mich über den Tisch ziehen zu lassen. Der Klebefritz forderte 15 US$ für seine Sticker, sonst müsse er die Polizei rufen. Ja gerne doch, dann können wir die Sachlage mit den Stickern ja gerade klären! Dem Zollguid gebe ich etwas, denn dieser hat mir viel Müh und Zeit erspart und auch Josef bekommt etwas, aber natürlich nie soviel wie er sich erhofft hatte, von einer weissen allein reisenden Frau!
Schnell erreiche ich Livingston, die Stadt bei den Viktoriafällen. Ich schaue mir zwei Camps an und entscheide mich für das alt bewährte Maramba, direkt am Sambezi liegend. Hier verbringe ich die nächsten Tage, schaue was für Tiere das gegenüberliegende Ufer aufsuchen und probiere immer noch die Zeit in vollen Zügen zu geniessen.
Bemitleidend fragen mich die Schwarzen im Camp, ob ich alleine unterwegs sei. Sie sehen mich nun schon seit Tagen hier, wie ich am Pool viel lese oder schreibe . Wenn ich bejahe, scheinen sie für mich zu leiden. Ihre Gesichtszüge verziehen sich zu einem Jammern. Wie armselig muss es mir doch ergehen niemanden zu haben! Unvorstellbar in den Augen der Afrikaner, keine Familie oder Freunde um sich zu haben, die einen begleiten könnten. Denn so muss es ja sein, sonst wäre ich wohl kaum alleine unterwegs! Es gäbe keinen Grund für sie, freiwillig etwas alleine zu unternehmen. Sie sind fest im Familiengefüge verankert. Wenn es dir schlecht geht, geht es der Familie auch schlecht, wenn du einen Job hast profitiert die ganze Familie von dem Geld. Wenn ich dann aber erkläre, dass meine Familie nächsten Dienstag in Lusaka eintreffen werde, schnaufen sie sichtlich erleichtert auf und wünschen mir eine kurze Zeit bis dahin.
Bemitleidend fragen mich die Schwarzen im Camp, ob ich alleine unterwegs sei. Sie sehen mich nun schon seit Tagen hier, wie ich am Pool viel lese oder schreibe . Wenn ich bejahe, scheinen sie für mich zu leiden. Ihre Gesichtszüge verziehen sich zu einem Jammern. Wie armselig muss es mir doch ergehen niemanden zu haben! Unvorstellbar in den Augen der Afrikaner, keine Familie oder Freunde um sich zu haben, die einen begleiten könnten. Denn so muss es ja sein, sonst wäre ich wohl kaum alleine unterwegs! Es gäbe keinen Grund für sie, freiwillig etwas alleine zu unternehmen. Sie sind fest im Familiengefüge verankert. Wenn es dir schlecht geht, geht es der Familie auch schlecht, wenn du einen Job hast profitiert die ganze Familie von dem Geld. Wenn ich dann aber erkläre, dass meine Familie nächsten Dienstag in Lusaka eintreffen werde, schnaufen sie sichtlich erleichtert auf und wünschen mir eine kurze Zeit bis dahin.