In der Nacht fällt wieder Regen. Am Morgen hängen die dunkeln Wolken tief. Grund genug um erst einen Cappuccino in einem netten Kaffee zu geniessen. Es ist noch nicht viel los in Gömere. Schnell habe ich mich am Fenster eines netten Lokals breit gemacht, als drei Männer hineinkommen und am Tisch neben mir Platz nehmen. Schnell verstricken wir uns in ein Gespräch. Mustafa ist Teppichhändler und ehemaliger Hotelbesitzer im Städtchen. Fatih und Mehmet sind seine Freunde und Geschäftsnachbarn. Erster verkauft Tücher und Stoffe, der Andere ist Juwelier. Es ist eine fröhliche Runde. „Und wie gefällt dir Gömere?“ fragen sie mich gerade heraus. Ich überlege kurz, wie offen ich ihnen gegenüber sein soll, entschliesse mich aber für eine ehrliche Antwort und sage: „Landschaftlich ist die Gegend faszinierend, eindrucksvoll und echt schön. Die Menschen, die hier leben sind, genau wie ihr drei, herzlich und sehr sympathisch. Für meinen Geschmack habt ihr einfach viel zu viele Touristen!“ Ein schmunzeln entweicht Mustafas Mundwinkeln. „Wir haben nur von einer Art Touristen zu viel!“ Er führt seine Zeigefinger zu seinen äusseren Augenwinkel und zieht diese zu Schlitzen auseinander. „Verstehst du?“ fragt er. Dies sei einer der Gründe, weshalb er sein gut laufendes Hotel verkauft hat. Die Chinesen, und nun nennt er sie leise beim Namen, interessieren sich einen Deut um Geschichte und Kultur der Türkei. Sie wollen nur das Passwort für das WiFi wissen und wo sie das nächste chinesische Restaurant finden! Es ist ein ständiges Posieren für Selfies. Jedoch knipsen sie kein einziges Foto, der Landschaft wegen. „Ganz neu kommen nun auch die Russen hierher“, meint er weder positiv noch negativ betonend. Mit der abschliessenden Einladung, seinen Laden zu besuchen um Tee oder Kaffee zu trinken, widmet er sich wieder seinen Freunden.


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Mit den ersten Sonnenstrahlen die durch die Wolkendecke lugen, verlasse ich meinen Voyeuren-Platz im Kaffee, eile zurück zum Camping und packe meinen Rucksack. Nach der langen Fahrerei durch all die Länder, möchte ich das Gebiet der markanten Tuffsteinformationen zu Fuss erkunden. Bereits vor dem Camping ragen Vulkan-Steinspitzen wie überdimensionale Schwerter aus dem Boden. Ich folge kleinen Gehwegen zwischen den sogenannten Feenkaminen hindurch. Für mich sehen sie aber eher wie Phallussymbole aus. Ich kann meine mehrstündige Wanderung abseits der Touristenpfade total geniessen. Als in der Ferne der Muezzin zum Gebet ruft, die Sonne meine Haut wärmt und der Geruch der blühenden Kamillen meine Sinne reizt, spüre ich wie Glückshormone meinen Körper durchströmen und Dankbarkeit mein Herz erfüllt.