Jordanien


Von der Mosesquelle zum Beduinenlager

Am Horizont zeigt sich ein erster heller Streifen, die Ankündigung des Tages und Aufforderung zum Morgengebet der Moslem. Die Sonne geht auf, es wird hell, die Zeit drängt zum Aufbruch. Wir fahren durch eine karge Wüstengebirgslandschaft, braun und steinig. Geblendet von dieser atemberaubenden Gegend leuchtet unverhofft dieser grüne Fleck in mitten dieser trotzigen Wüste auf, wie aus dem Schoss der Erde heraus gebrochen. Die Mosesquelle eine Höhle so rücksichtslos grün und lebendig. Ein Bach entspringt und das Wasser sprudelt kalt und klar ins Tal hinab. Eine Ziegenherde kommt zum Trinken, um danach wieder weiter zu ziehen. Das ist alles wirklich unglaublich. Als würde man die Geburt der Welt miterleben. Es ist ein Ort der Stille und Reinheit, würde nicht so viel Abfall und Plastik herum liegen. Was für eine Demütigung für die Natur!
Über eine sehr steile Strasse schlängelt sich das Mitsuchüeli über Serpentinen 400 Meter unter den Meeresspiegel dem toten Meer zu. Raphaels Kopf ist nicht mehr bereit neue Eindrücke ungefiltert und mit voller Kraft einzulassen.  Er hat heute noch nicht viel gegessen und scheint ein wenig apathisch. Für uns ist es ein Alarmzeichen, eine Reisepause in einem Hotel einzulegen. So verbringen wir einige Tage am toten Meer und sind jedes Mal von neuem überrascht, wenn unsere Körper schwerelos auf der Wasseroberfläche schweben.
Gegen Abend führt unser Weg dem toten Meer entlang. Zur einen Seite das blasse Blau des Wassers, zur anderen recken sich steile Gipfel dem Himmel entgegen, in allen Farben des Sandsteins. Täler durchschneiden das Massiv in mehrere Teile. 
Die Zeit rennt uns langsam davon, denn bei Nacht wollen wir eigentlich nicht fahren. Zu allem Überfluss müssen wir jetzt auch noch den Tank mit dem aus Syrien in Kanistern mitgebrachten Diesel, mit Hilfe unserer elektrischen Pumpe, nachfüllen. Das Licht schwindet langsam, als wir weiter auf dem „Kings Higway“ durch das gelobte Land rollen.
In einem Talkessel zwischen steilen Felshängen liegt verborgen Petra. Etwas ausserhalb der Stadt, in der Wüste, entdecken wir ein Beduinen-Camp. Umgeben von kugeligen Felstürmen stehen in einem natürlichen Hof drei grosse schwarz braune Beduinenzelte. Der Stoff ist traditionell aus Kamelhaar gewoben und mit Teppich und bunten Kissen ausgestattet. Hinter einem dieser Zelte verbirgt sich eine Höhle, eine in den Felsen gehauene Nische. Am Boden mit Teppich ausgelegt und mit farbigen Matratzen, Kissen und flachen Tischen geschmückt, werden wir in eine abermals neue Welt entführt: In die Welt der Beduinen. Wir dürfen einen Hauch von ihrer Kultur und ihrem Leben einatmen. Und obwohl es Mittag ist und die Sonne ihre zerstörerischen Strahlen auf die verbrannte Erde schickt spüren wir hier bei den Beduinen nichts von der sonst üblichen Hitze. Die Beduinen sind stolze, kluge und sehr freundliche Menschen. Sie sind nicht geprägt von Zahlen, Eile und Unruhe (obwohl viele von ihnen auch schon ein Handy besitzen). Bei ihnen bestimmen Sonne und Mond, Regen und Hitze, Kamele und Ziegen, Chai (Tee) und Fladenbrot das Leben.

RAST IM BEDUINENLAGER

Unser liebenswürdiger Gastgeber bringt uns am Abend eine Kanne sehr süssen Beduinen Tee, welcher in Raphael schnell einen Abnehmer findet. In der Nacht wird es kühler. Vom Dachzelt aus schauen wir zu dem nur in der Wüste so unvergesslich schönen Sternenhimmel und lassen uns von den zur Erde herhabschiessenden und verglühenden Sternschnuppen verzaubern. Zwei Petroleumlampen werden von den Beduinen am Fusse unserer Leiter zum Dachzelt aufgestellt und brennen schützend die ganze Nacht. Was für eine wundervolle Erfahrung mit den Beduinen durften wir hier erleben!