Ich bin lange hin und her gerissen, ob meine Reise durch Istanbul führen soll oder ob ich südlich, mit einer Fähre die Grossstadt umfahre. Ich entschliesse mich für das Chaos der Stadt. Wenn schon, dann richtig; das ist meine Devise! Im Tohuwabohu der Altstadt gibt es einen öffentlichen Parkplatz, dort will ich über Nacht stehen. Mein Ziel steht nun fest.
Zuerst habe ich aber den Grenzübertritt in das erste Nicht-EU-Land vor mir. Auf griechischer Seite geht es ruck-zuck. Über eine Brücke führt mich der Weg zur türkischen Grenzabfertigung. Zum Glück habe ich vor mir einen Kleinwagen, dem ich durch das kilometerlange Labyrinth von wartenden Lastwagen folgen kann. Die Passkontrolle ist unerwartet zügig und schon fahre ich weiter zum Zoll. Hier wird jedes Fahrzeug kontrolliert. Ich öffne dem Zöllner die Seitentüre und die Heckklappe; als Bestätigung möchte er wissen: „Camping? “ - „Yes, yes Camping“, bestätige ich und weiter geht’s. Danach muss ich die Autopapiere am Schalter zeigen und fertig ist der Zauber der Einreise. Unglaublich wie gut hier alles läuft! Als ich mit meinen Papieren an den letzten Schalter will, kommt eine junge Zöllnerin auf mich zu und verlangt meine Dokumente. „Ahhh! Wo ist die Bestätigung, dass Sie das Auto von Marcel Frei fahren dürfen? (Where is your authorization for the car)?“ Fragt sie mich etwas zu forsch für meinen Geschmack. Sichtlich stolz auf ihre Spitzfindigkeit geht sie mit meinen Unterlagen zu einer Gruppe Männer, die als Zöllner höhere Ränge innehaben. Der wahrscheinlich wichtigste Mann der Gruppe hat wenig Interesse an ihrem Anliegen. Einem Jüngeren kommt die Gelegenheit aber gerade richtig, um sich vor mir aufzuspielen. „Park your car!“ Befiehlt er mir und zeigt mit dem Finger wo. „Du kannst so nicht einreisen! Wir wissen ja nicht, ob du mit dem Auto von deinem Mann reisen darfst oder ob du es ihm gestohlen hast!“ Seelenruhig ob dem Machtgehabe, parkiere ich das Auto wie mir geheissen. Solche Spielereien bringen mich schon lange nicht mehr aus der Ruhe! Hier möchten sich nur zwei junge Zöllner bei ihren Vorgesetzten privilegieren. Als ich ohne Hektik wieder zu der Gruppe zurück gehe, kommt mir bereits der Chef mit meinen Papieren entgegen. „Es ist sinnvoll, dass Sie sich eine Bestätigung von Ihrem Mann geben lassen für das Fahren seines Autos. Dann haben Sie in Zukunft keine Probleme. Vor allem wenn Sie in den Iran weiterreisen möchten“. Jetzt könne ich aber weiterfahren. Er verabschiedet mich mit den Worten „Welcome to Turkey“. Im Hintergrund meine ich die beiden vorlauten Zöllner schmollend in meine Richtung blicken zu sehen. Als ich ihnen als Abschied zunicke, schauen sie demonstrativ weg. „Dann halt nicht“, denke ich bei mir.
Ich bin überwältigt von der Metropole Istanbul. Meine Fahrweise entspricht hier nicht ganz dem Schweizer Standard. Oft muss ich im letzten Moment ein, zwei Spuren wechseln oder ich erkenne im letzten Augenblick eine Ausfahrt, die ich nehmen muss und schwenke, ganz dem türkischen Verkehr angepasst, urplötzlich ab. Zum Glück finde ich ohne Verkehrsunfall den Nachtplatz. Dieser liegt direkt am Meer, von wo ich die grosse Kuppel der blauen Sultans-Moschee in der Altstadt erblicken kann. 
Mit dem Fotoapparat bewaffnet, versinke ich in einem Meer aus Gassen, alten Häusern, Shops, Verkäufern, Touristen, Gläubigen, Moscheen, Handkarren, Bussen, und, und, und. Istanbul ist eine Stadt voller Leben! Ich kann mich nicht satt sehen ab dem ganzen Trubel. Todmüde kehre ich am Abend, nachdem der Muezzin mit seiner Singstimme über die Stadt gerufen hat, zurück zum Auto. Alle Parkplätze sind nun voll besetzt. Händler mit Handkarren verkaufen Essbares. Es tummeln sich lokale Familien an der Strandpromenade. Ich schaue dem Treiben noch zu, bevor meine Augen zufallen.


Bild