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Published on
April 15, 2026

Eine Berührung bei den Berggorillas

Es ist 6:30 früh morgens. Die Luft ist angenehm frisch, aber nicht kalt. Das Wetter unerwartet schön und sonnig. 

Als wir gestern Nachmittag hier in Kiningi angekommen sind, hat es in Strömen geregnet. Das Regenwaldgebiet machte seinem Namen alle Ehre. Die Vulkankegel waren am Stumpf abgeschnitten und hinter weisser Watte versteckt. Die Welt wurde so klein um mich herum, dass in mir ein beklemmendes Gefühl aufkam. Der gesamte Boden war Morast, jeder Schritt erzeugte ein saugendes Geräusch. Die feuchte Kälte schlich die Knöchel hinauf, um sich dann den ganzen Abend an den Beinen fest zu krallen. Spontan entschliessen wir uns, für den nächsten Morgen am Berggorilla Trekking teil zu nehmen. 

Wir sind früh dran, und hoffen auf Glück, einen Platz in einer Gruppe zu finden, die nicht vollständig belegt ist. Auf dem Vorplatz des Volcanoes National Parks herrscht wildes Treiben. Kaki-grün gekleidete Ranger stehen herum und weisen die vielen Touristen den Weg zur Registration, den Weg zu den verschiedenen Trekking Gruppen, den Weg zu den Ausrüstern, den Weg zu den WC’s und und und. Alles Gleichgesinnte, die wie wir voller Erwartung bereit sind die Hänge der Vulkane hochzuwandern, um eine Begegnung mit den Berggorillas für einen Atemzug zu erhaschen. Wir sehen sportliche Junge Menschen, Menschen in den 40zigern in Wanderausrüstung bis zu sehr alten Menschen am Stock gehend. Wir sehen top ausgerüstete Leute und solche die im Beachdress mit kurzem Rock und Shorts auftauchen. Wir wundern uns immer wieder, wie unbesorgt naiv Leute einen Berg hoch wandern möchten ohne geeignete Ausrüstung. Offenbar ist man sich hier einiges gewöhnt, weshalb ein schlaksiger businessorientierter junger Mann ein Ausrüstungsverleih eröffnet hat und rege Geschäfte zu machen scheint.

Wir werden einer Gruppe mit drei älteren amerikanischen Paaren zugewiesen. Unser Führer stellt sich als Sano vor. Er ist gross, kräftig, mit einem beträchtlichen Bauch und freundlichen Gesichtszügen.


Er informiert uns über den Nationalpark und dass es nicht sicher sei, dass wir also keine Garantie hätten, Berggorillas zu begegnen. 

Auf schmalen Pfad rumpeln wir durch ein Dorf weiter dem Vulkan Gahinga entlang ostwärts. Sano fährt in unserem Auto mit. Er erzählt, er arbeite seit über 20 Jahren als Ranger. Er liebe seine Arbeit und werde sie so lange machen, bis er nicht mehr den Berg hochkomme. Ich frage, wie gross das Problem mit der Wilderei aktuell sei. Seine Antwort: «Ich habe ganz anfänglich als Ranger, ein einziges Mal ein Massaker von Wilderern erlebt. Ich sehe alles noch genau vor Augen. Wir sind gerufen geworden, weil Wilderer im Park entdeckt worden waren. Wir sind gelaufen, ja gerannt, aber wir kamen zu spät. Der Anblick sei furchtbar gewesen». Ich bin froh, dass Sano bei seiner Erzählung nicht ins Detail geht. Weiter sagt, da sei man tag täglich um die Gorillas, jedes Tier habe einen Namen. Er kenne sie alle und irgendwie sind sie wie Freunde und dann wird eine Familie oder ein Teil davon abgeschlachtet. Sano schüttelt traurig seinen Kopf. Aber, fährt er fröhlich fort, Wilderei gehöre der Geschichte an. Auch im Zaire und Uganda gibt es keine Wilderei mehr. Weiter erzählt Sano uns von seiner Familie und seinen zwei Kinder, die er liebevoll « little monkeys» nennt.

Der Weg endet am Hang, unmittelbar bei Feldern, wo Bauern Kartoffeln pflanzen und Mais gespritzt wird. Wir steigen aus. Jeder erhält einen Träger und einen Wanderstock mit einem geschnitzten Berggorilla als Knauf zugewiesen. Unser heisst Mahoro und hat eigentlich nichts zu tragen, da wir nur einen kleinen Rucksack mit Wasser dabeihaben. 

Unser Trupp läuft bei wunderbarem Wetter los. Sano trägt ein Gewehr am Rücken, die Träger die Rucksäcke der anderen und Essenspakete der Lodges. Die Marschgeschwindigkeit gleicht einem Spaziergang. Unsere Mitstreiter haben Mühe, dem Weg querfeldein über Stock und Stein zu folgen. Die Träger haben alle Hände voll zu tun sie zu stützen, damit es voran geht. 

Vor einer unendlich langen Steinmauer bleiben wir für eine Verschnaufpause stehen. Auf der anderen Seite der Mauer fängt der Nationalpark an, erklärt Sano. Die Grenze ist für mich offensichtlich und hätte keiner Erklärung bedurft. Die Narbe der Erde mit der kahlen bewirtschafteten Seite und der am Vulkan aufsteigende Hang des Regenwaldes. Die Naht gezogen vom Menschen, schütz die Natur mit all seinen Bewohnern vor dem Eindringen der Zivilisation. 

Wir erhalten weitere Anweisung und einen Mundschutz, der die Berggorillas vor den menschlichen Infektionskrankheiten schützen soll. Das Berühren der Tiere unsererseits ist verboten. Keine schnellen Bewegungen, kein Blitz beim Fotografieren, keine Rufe oder laute Gespräche und die Anweisungen von Sano bedingungslos befolgen. 

Von dem Augenblick, als ich über die Steinmauer in den Regenwald klettere, befinde ich mich in einer ganz anderen Welt, die der Farne, Moose und Bäume. Der Boden ist weich wie Honig. Bei jedem Schritt sinke ich in den Untergrund ein. Der Geruch nach Kräutern und Rinde beizt meine Nase. 

Die Späher, vier Mann, stossen zu uns und zeigen nach vorne. Meine Sinne sind auf vollem Empfang. Zuerst höre ich die Berggorillas. Äste knacken im Dickicht. In einem Abstand von etwa fünf Metern bewegt sich der Busch. Ich sehe nichts. Schritt für Schritt, ganz langsam schreiten wir durch das meterhohe Farn. Und dann erspähe ich einige Berggorillas der zwanzigköpfigen Familie vor mir. Ich halte den Atem an, bin völlig überwältigt von diesem friedlichen Anblick. Ein Weibchen rechts von uns zupft Farn ab, um es sich gleich in den Mund zu schieben und zu mampfen. Zwei junge Gorillas toben verspielt in einem Nest aus Gräsern und Blättern herum. Ihr Fell ist tiefschwarz und hat einen seidenen Schimmer. Einer der beiden muss ein Junge sein. Er trommelt sich wieder und wieder auf sein kleines Brüstchen, wie sein grosser Bruder und Filmstar King Kong. Ein paar Schritte weiter liegt der imposante Silberrücken völlig entspannt wie in einem Liegestuhl auf seinem Rücken und frisst Blätter vom nahegelegenen Busch. Er beobachtet uns, gibt einen Grunzlaut von sich und wartet die Antwort von Sano ab, der zurück grunzt. Die Gorilla Gruppe hat uns längst gewittert, sind weder überrascht noch gestört von unserem Dasein. Ich stehe wie angewurzelt da, kann ihren animalischen Geruch riechen, kann ihre Gegenwart ungefiltert spüren und bin vom Anblick des Silberrückens gefesselt. Der Schädel ist unverhältnismässig gross und eckig. Sein Unterkiefer mächtig wie eine Schaufel, in der so viel ungebändigte Kraft steckt, die er beim Grünfutter gar nicht loslassen kann. Seine Augen liegen tief hinter den wulstigen Jochbeinen vergraben. Die platte Nase mit den trichterförmigen Löchern bewegen sich leicht, aber unaufhörlich. Der Kopf geht ohne sichtbaren Hals direkt in seine breiten muskulösen Schultern über. Sein Körper ist eher gedrungen und an seinem Fell sieht man Spuren seiner Jahre, seiner Kämpfe, die er gegen Rivalen und Angreifer geführt hatte. Sein Gemüt jetzt, von unendlicher Gelassenheit und Geduld. Lässig greift er mit seinen schwarzen dicken Fingern, die einer verkohlten Wurst gleichen, hier ein Blatt, dort einen saftigen Stängel und mampft friedlich vor sich hin. King Kong Junior turnt gleichzeitig auf ihm herum. Als es dem Koloss zu bunt wird mit dem verspielten Junior, steht die geballte Kraft auf und kommt auf mich zu. Sano weisst mich flüsternd sofort an auf den Boden zu schauen. Mir bleibt das Herz stehen, als der Silberrücken mein Hosenbein berührend hautnah an mir vorbei geht. Einen Herzschlag später, ich getraue mich wieder aufzuschauen, spielt ein Jungtier an Marcel Gurt herum, berührt seine Hand und entschwindet dann im Busch. Ein weiblicher Gorilla steigt behände einen Baum hinauf, um in dessen Blätterkrone nach Früchten zu suchen. Der ganze Baum wackelt und schwingt bei jeder ihrer Bewegung mit. Nach gut einer Stunde entschwindet die Berggorillafamilie den steilen Hang hinauf. Wir lassen sie ziehen und kehren um. 

Der Kontakt mit diesen eindrücklichen Geschöpfen schwingt noch lange in mir nach. Unwirklich, fast wie in einem Traum taumle ich zurück in die Welt der Menschen. Wie unvergesslich dieser Moment bei unseren Vorfahren doch war! start customizing

Published on
April 11, 2026

Unsere Zuhause in Tansania



Wir fahren vom Einkauf in Arusha, hinaus in die Masai-Steppe nach Hause. Das Land ist staubtrocken und gleicht einer Mondlandschaft. Tiefe Erosionen haben die Savanne aufgeschlitzt. Nun liegt sie mit offenen Wunden, den Korongos links und rechts der Strasse. Sie frönen einer Dramatik, die jeder Landschaft das Leben aushaucht. Kein Grashalm weit und breit. Sogar die Blätter der Tamarisken und Akazien haben ihr immer kräftiges Grün verloren und kämpfen ums Überleben in einem grau-grünen Farbton. Seit über fünf Monaten hat es nicht mehr geregnet. Die Trockenzeit fordert seinen Tribut. 

Jedes Lebewesen lechzt nach Wasser. Der Himmel zeigt sich nur blassblau, um sich allem anzupassen. Es liegt viel Staub in der Luft. Jeder Schritt hinterlässt eine kleine Staubwolke. Rinderherden ziehen eine Meter lange Staubfahne hinter sich her. Sie sind von weitem sichtbar. Die mageren Tiere und ihre jungen Masai Hirten hinterlassen ein bedrückendes Gefühl der Hilflosigkeit in uns. 

Auf der Darakuta fliessen zwei verschiedene Flüsse vom Rift hinab durch das Land. Sie versorgen das Leben über das ganze Jahr mit Wasser. Was für ein Segen für Mensch und Tier.

Wir fahren durch das verdorrte Land zu uns hinauf. Tiere und Natur sind in einen tiefen Schlaf gefallen, um zu überleben. Zum gesamten Schicksal brennt der Wald hinter unserem Haus lichterloh. Das Rift in Flammen, weit hinab bis vor unsere Haustüre. Ganz nach Tradition, haben die Wairak, das ansässige Volk auf dem Rift das Gras angezündet. Mit dem Feuer, dass natürlich niemand unter Kontrolle hat, sollen die schädlichen, wie natürlich auch die nützlichen Wadudus (Insekten) zerstört werden. Wenn der Regen einsetzt, erwachen hellgrüne Grashalme, jungfräulich zu neuem Leben. 

Abends sitzen wir auf unserer Terrasse, schauen in die Weite und beobachten dieses faszinierende, eindrückliche und dennoch so tödliche Spektakel. 

In dieser Nacht nehmen wir ausser den Streitereien der Bushbabys kaum andere Tiere wahr. Die Zikaden sind verstummt und auch sonst scheint das Leben entschwunden zu sein.

Trockenes Land riecht nach eigenem Schweiss und Leere. 

Dann irgendwann, nach langer Leidenszeit, nach vielen Wunschschlössern in denen Tropfen vom Himmel fielen, ziehen die ersten dunklen Wolken auf. Sie kommen näher. Wir warten gespannt, wie Kinder aufs Öffnen der Weihnachtsgeschenke. Dann werden endlich die Himmelsschleusen geöffnet. 

Der erste Tropfen fällt schwer wie ein Kieselstein auf das Wellblechdach. Dann noch einer und noch einer, bis das Wellblechdach ein Singsang der Erleichterung und Befreiung in die Nacht hinaus singt.

Das Land saugt das Wasser auf, wie ein verdurstendes Tier. Wenn der Regen die Erde tränkt, tobt das neugeborene Leben der Wildnis. Die Jäger kommen hervor und stillen ihren Hunger. Wo waren sie die ganze Zeit? Wir können sie nun hören, die Hyänen, den Leoparden. Die Ginsterkatzen können wir auch sehen. Was für ein anmutiges, graziles Tier. 

Ihr Fell gleicht dem eines Geparden. Es ist schwarz getupft auf grauem Fell. Der Schwanz ist sehr lang, flauschig und gestreift. Sie ähnelt einer Mischung aus Hauskatze und Marder. 

Abends stellen wir immer unseren Kompostkübel vor den Eingang. Die Ginsterkatzen kommen jede Nacht vorbei und schauen, ob es Futter für sie im Kübel hat. Früchte wie Mango oder Banane lieben sie besonders.

Einmal, wir kamen erst spät von unseren Freunden zurück, sah ich die Katze beim Essen. Dhahabu, meine Hündin und Jägerin, sprang aus dem offenen Fenster und überraschte die Wildkatze. Mit einem Biss brach sie ihr das Genick. Ich eilte sofort herbei und sah fasziniert, aber auch angewidert dieses wunderschöne Geschöpf hilflos am Boden liegen. Die Gingsterkatze lebte noch, konnte sich aber nicht mehr bewegen. Panisch rief ich die Massai herbei. Ich befahl einem das Tier sofort zu töten. Jackson erledigte das schnell und unkompliziert mit seiner Machete. Der Kadaver, so sagte er mir später, habe er ins Porini (Wildniss) geworfen. In dieser Nacht hatten wir die Hyänen so nahe am Haus wie noch nie.

Published on
April 11, 2026

10 Jahre Kyrgysistan:

Wir sitzen im Flieger auf dem Weg nach Osh. Unter uns ziehen die Weiten Zentral Asiens vorbei. Ich habe die Wüsten gequert, die Städte erlebt, die Gebirge gesehen. Ich habe die Menschen kennen und schätzen gelernt. Wie an einen wunderbaren Traum, erinnere ich mich an diese vergangene Zeit voller Zuversicht, Freude, Ängste, Bedenken und Einfachheit. Meine Gedanken schweifen ab zu unseren Anfängen in Osh, der zweitgrössten Stadt in Kyrgysistan.

 

Die Reise, der Flug war im Jahr 2016 sein eigenes Abenteuer. Unsere Sitzplätze waren meist von den Kyrgiesen besetzt, wenn wir gegen Ende zustiegen. Bei der Aufforderung die Sitze für uns freizugeben, hörten wir ein bestimmtes und in den Augen der Besetzter gerechtfertigtes "Niet". Sie waren schliesslich vor uns da. Viele Diskussionen folgten mit den leicht erhitzten Gemütern. 

Bei der Landung auf der unebenen Piste, toste ein enthusiastischer Applaus durch den Flieger. Und heute: Unsere Sitzplätze bleiben frei. Bei der Landung herrscht Stille. Der Flughafen zeigt sich heute in einem neuen Kleid der Moderne. Nur die Ungeduld, ja gar Rastlosigkeit der zentralasiatischen Menschen beim Aussteigen, bei der Immigration ist geblieben. Es wird nach wie vor rüpelhaft gestossen und gedrängelt. Körperkontakt ist dabei kein Hindernis. Auch Geschlechter spezifisch gibt es da keine Hemmschwelle. 

Wir werden herzlichst von unseren Freunden und Arbeitskollegen Nursultan, Danyiar und Asamat mit einer Umarmung empfangen.

Die Fahrt durch Osh reizt unsere Augen heute nicht mehr. 

Die altrussischen Plattenbauten der Wohnhäuser mussten in den Hintergrund treten. Neue hohe Wohnblocks haben sich vorgedrängt und prägen mehr und mehr das Stadtbild. Viele kleine Kioske, die eng aneinanderklebten, wo es unendlich viel zu kaufen gab, von zuckerhaltigen Schleckereien, zu Obst, Milch, Zigaretten und vielen anderen wichtigen und unwichtigen Sachen, sind verschwunden. An ihrer Stelle haben zwei Shopping-Center ihre Türen geöffnet. Die überirdisch geführten Wasserrohre, die wie Blutadern den Körper der Stadt versorgen gibt es noch, fallen uns aber nicht mehr auf. Sie gehören zu Osh wie sein historischer Bazar. Doch wo ist dieser? 

Wir laufen von unserem altbewährten Hostel zum Spital. Die frische, kühle Morgenluft, die Sonne im Gesicht, beseelt unsere Körper. Die Schwere der Müdigkeit der schlaflosen Nacht, weicht einem beschwingten Gefühl des nach Hause Kommens und des Glücks. Am altbekannten Luna Park vorbei erreichen wir den Osh Bazar. Doch anstelle des Chaos, der unendlichen Verkaufsstände, der fragwürdigen Essbuden, den wartenden, hupenden und abfahrenden "Marschrutkas" (Minibusse) gähnt uns eine Lehre entgegen. Keine Menschen, kein Spektakel, kein Durcheinander, keine Unordnung, keine Stimmen, kein Leben... nur kalter, gesichtsloser Asphalt mit einem verwaisten Bulldozer darauf stehend. Dieser hat ganze Arbeit geleistet. Nun stehen wir vor einem grossen Parkplatz. Aber für wen, wenn es keine Menschen vom Bazar mehr gibt? 

Wir laufen an der neuen Strassenüberführung vorbei. Ankommend beim Spital, dasselbe Bild: die BretterbudenShops, die die Versorgung der Kranken gewährleisteten, sind gleichsam entschwunden. Die Besucher strömen trotz der Veränderung herbei. Der Charakter Oshs, die Stadt, die durch den Ak Bure Fluss geteilt wird, die am Rande des Alai Gebirges liegt und als Zentrum der historischen Seidenstrasse gilt, ist aus meiner Sicht schmerzlichst gestorben. 

Eine Baustelle am Spital, lässt uns leise hoffen, dass auch hier der Fortschritt Einzug gehalten hat. Die Fassade wird gerade mit neuen Platten bedeckt. Auch sehen wir neue Fenster, die angebracht sind. 

Wir betreten das überfüllte Wartezimmer. "Strasvitsches" und anerkennendes Kopfnicken der Eltern unserer Patienten begrüssen uns. 

Das Team wartet bereits erwartungsvoll auf uns im Behandlungszimmer. Zu den drei Kieferorthopäden und Chirurgen gesellen sich Aida die Logopädin und Samara die Gehilfin.. Alle sind bereit und motiviert uns ihre Resultate und Arbeiten zu zeigen. 

Eine mobile Motoren- und Kompressoren Einheit an der Wand stehend, weist uns still und beschämt auf den defekten Behandlungsstuhl hin. Sonst präsentiert sich die Klinik ganz in Weiss gehalten, gereinigt und aufgeräumt wie noch nie. In all den Jahren kämpften wir immer wieder mit der Praxishygiene. Wir sind begeistert und bringen dies mit Worten voller Lob zum Ausdruck.

 

 

Published on
May 19, 2019

Mein letzter, perfekter Reisetag

Beim Aufstehen wird mir schmerzhaft bewusst, das meine Reise heute enden wird. Ich zögere alles hinaus, nehme mir für das Frühstück mehr Zeit als gewöhnlich. Die What app Nachrichten folgen in Minutentakt; " Hi Yvonne where are you? Hi Yvonne, we wait for you"...
Es sind nur noch 120 km bis Osh und ein Grenzübertritt, der wahrscheinlich keine Probleme für mich bereit hält.
Die Sonne lacht und auch ich lache. Zuerst besuche ich aber noch einmal die Seidenfabrik. Am Sonntag wurde da nicht gross gearbeitet. Das Gelände kenne ich ja bereits. Die älteren Frauen die ich gestern fotografiert hatte, sind auch da und freuen sich riesig, über die Bilder! Ich gehöre nun dem Kreis langjähriger Freunde an. Es ist unmöglich, die Frauen stehen zu lassen und weiter zu fahren. Ich kann ihnen anhand meiner Fotos erklären, das ich mit einem Auto von der Schweiz nach Kirgistan unterwegs bin. In der Zwischenzeit hat sich der Raum gefüllt mit weiteren Arbeiterinnen jeden Alters. Die ältere Frau an meiner Seite, scheint den Rang eines Alphatiers zu haben. Sie wird von jeder neu eintreffenden ehrfürchtig begrüsst. Schliesslich pfeift sie einen englisch Sprechenden Guide von der Fabrik heran. Zuviel Fragen brennen ihr auf der Zunge. Als erstes kommt natürlich die Frage, die mir täglich x-mal gestellt wird; " Bist du alleine Unterwegs? Ja klar, kein Problem" antworte ich wahrheitsgetreu. " Hast du denn keinen Mann", kommt es als nächstes wie aus der Pistole geschossen. " Doch natürlich habe ich einen Mann." Ich zeige zur Überzeugung ein paar Bilder von Marcel und mir. Zufrieden nickt sie und macht weiter mit der Fragerei. " Wie lange bist du denn schon ohne deinen Mann auf Reisen? Fast zwei Monate, " kontere ich. Die Alte reisst die Augen auf und ein Schwall wilder Wörter, die ich natürlich nicht verstehe prallen auf mich. Der Guide übersetzt;" Wenn sie nur einmal einen Tag weg will, ohne ihren Mann , gibt es viel Ärger und Probleme". Sie streckt ihren Zeigefinger und fährt sich horizontal über die Kehle, um dem Gesagten eine gewisse Dramatik zu verleihen.  Eine ganze Gruppe Frauen, die sich um uns versammelt haben, prusten los vor lachen! 
Ich werde von einer Delegation Frauen zu den elektrischen Webstühlen geleitet. Der Raum ist dunkel und unglaublich laut! Ich bin in einer anderen Zeitrechnung gelandet. Das Bild, das sich mir bietet scheint eher aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu passen, als ins 21. Jahrhundert. Der Lärm ist ohrenbetäubend und eine Verständigung unmöglich. Wieder im Freien, neigt sich meine neue Freundin ganz nahe an mein Ohr und flüstert mir verschwörerisch "come"! Wie ein Agent schaut sie ob die Luft rein ist und zieht mich ins Herz der Seidenfabrik. Ihrem Verhalten an, ist klar, dass hier keine Touristen hin gehören. Sie öffnet eine Türe. Der Raum ist voll von Ästen mit Seidencocons und dessen Raupen. Fasziniert und dankbar für die Einsicht in das Innerste der Seidenfabrik, verabschiede ich mich von Herzen bei all den liebenswürdigen Frauen. Es ist natürlich spät geworden und meine Freunde in Osh haben wiederholt angefragt wenn ich den nun endlich Osh erreiche! 
In Hochstimmung über diese wunderbare Reisebegegnung mit den Frauen, den Blick auf die schneebedeckten kirgisischen Berge gerichtet, fahre ich der Grenze entgegen. Ich fühle mich frei und zufrieden. Möchte mit keinem anderen Menschen mein Leben tauschen. Das ist es doch was wir alle wollen! An der Grenze in Fergana, machen mir die Zöllner klar, dass es hier für mich kein Durchkommen gibt. Aber auch diese Nachricht, die zusätzlichen Kilometer die damit verbunden sind, können meiner Stimmung nichts abgewinnen. Ich kehre um, fahre zum stark frequentierten Grenzübergang Osh und passiere problemlos. Der kirgisische Zöllner will partout mein Carnet nicht abstempeln, weil es die usbekischen Zollbeamten weder bei meiner Einreise noch bei der Ausreise sehen wollten. Ganz nach dem Motto, wenn die nicht wollen, dann lassen wir das auch besser!
Tja und dann meine glorreiche Einfahrt in Osh. Ich kenne die Stadt, ich brauche nicht nach Navi zu fahren. Alle warten sie auf mich! Sie filmen meine Ankunft, aber vor allem freuen sie sich von Herzen, dass ich die für sie unvorstellbare Reise gemeistert habe! 
Published on
May 18, 2019

Bekannter Lifestyle


Je östlicher ich fahre, desto vertrauter kommt mir der Lifestyle der Usbeken vor. Das kulinarische Angebot bietet die selben Gerichte, wie das mir bereits gut bekannte Kirgistan. Suppe mit Schafskopf, Salat mit Zunge, Rote Beete, Schaschlik, Laghman und und und stehen auf der Speisekarte und reizen meinen Gaumen. Das frische Brot alleine, ist fast schon eine Reise wert. Wenn man aber dem Bäcker zuschauen oder gar mithelfen kann, ist es ein wahres Erlebnis. 
Die Häuser sind im ähnlichen Stil gebaut, haben aber aus der russischen Zeit mehr Spuren abbekommen als ihr Nachbarland. Auf den Strassen rollen, die altbekannten Ladas. Nur wer besser betucht ist, leistet sich ein Chevrolet. Die sind hier im Business der Luxuslimousinen gross im Geschäft!
Die Menschen haben runde Köpfe, und die für Zentralasien wunderschönen mandelförmigen Augen. Leider spricht kaum jemand Englisch, was mir nun unweigerlich zum Verhängnis wird, hinter die Kulissen zu blicken. Nach Jahren einer Art Diktatur, hat Usbekistan seit diesem Jahr ihre Tore weit geöffnet, für die europäischen Touristen. Was ich schmerzlich, zwischen den historischen Denkmälern zu spüren bekomme. Leider nicht ganz mein Schlag, was genau genommen nur an meiner Intoleranz liegt und sonst an nichts anderem. Ich arbeite daran!
Hier auf der touristisch, historischen Bühne finde ich offensichtlich meine Reisezufriedenheit nicht wieder. Also schwenke ich in eine kleine Gasse und Seitenstrasse. Hier kann ich für einen Moment das Alltagsleben in einer Bäckerei finden. Später Lerne ich eine Englisch Studentin kennen, die sich beklagt, das sie wegen ihrer Aussprache in der Klasse immer ausgelacht wird. Gemeinsam gehen wir Kaffee trinken und üben Englisch in dem wir über uns sprechen. Ich lerne das Leben einer jungen Usbekin, mit all ihren Freuden und Sorgen kennen. Sie bekommt einen Einblick über meine Reise. Was für eine schöne Begegnung! Thanks! 
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Published on
May 15, 2019

Auf der Suche...

Usbekistan besteht grösstenteils aus der Wüste Kizilikum. Nur am Fluss Amudaya, der Lebensader der hier lebenden Menschen wird das Auge mit einem kräftigen Grün verwöhnt. Meine Reise von Nukus nach Bukhara ist gezeichnet von viel historischer Kultur, eben dieser Wüste Kizilikum und der daraus resultierenden unerträglichen Hitze. Nach dem Kulturschock Turkmenistan, bin ich immer noch auf der Suche nach Leben, Chaos, Begegnungen und Emotionen. Ob ich meine Glücksmomente vom Iran und die Zufriedenheit Unterwegs wieder finden werde, zeigt sich erst noch. In Nukus und Xhiva fand ich lediglich unzählige Festungen, Moscheen, Minarette, Mausoleen, Stadtmauern und Medressen. Das sind Schulen aus dem
10. Jahrhundert, in denen islamische Wissenschaften unterrichtet wurden. 

Published on
May 12, 2019

Turkmenistan lass ich gerne hinter mir.

Kommt man in ein neues Land, wird man jedes mal dazu gezwungen sich völlig neu zu orientieren. Meist ändert die Landeswährung. Das Aussehen und die Umrechnung machen es einem nicht immer einfach, Geld zu wechseln, damit etwas zu kaufen und im Nachhinein zu merken, dass man beschissen worden ist. Es gehört zur Reiseroutine. Auch die Menschen und ihr Verhalten können sich von der auf der Landkarte sichtbaren Linie, erheblich voneinander unterscheiden. Es ist mir jedes mal ein Rätsel, wie sich das verhällt. Schliesslich sind die Grenzen vor noch nicht allzulanger Zeit gezogen worden und die Menschen hatten früher alle gemeinsam in Persien gelebt!
Wie dem auch sei: Beim Grenzübertritt vom Iran nach Turkmenistan änderte sich alles. Und um es vorweg zu nehmen, nicht ins positive!
Ich fahre von einer traumhaft blühenden Bergwelt in die Hauptstadt Turkmenistans. Auf einem sechsspurigen Highway, mit blühenden Rosen in der Mitte, tuckere ich alleine nach Ashgabat hinein. Kaum Autos, kaum Menschen dafür viel Prunk in weissem Marmor und Gold! Hochhäuser stehen wie ein Empfangskomitee links und rechts der Strasse. Kein Plastiksäckchen hat sich irgendwo verirrt oder hängt an einem Strauch. Der Bordcomputer zeigt 39 Grad an. Um alles in der Welt, wo bin ich hier gelandet? In einer toten, unwirklichen Traumwelt? Wo ist das Chaos, wo die Menschen, wo überhaupt ist das Leben? Ein beklemmendes Gefühl kommt im Dasein dieser sterilen Welt auf. Ich vermisse den Iran mit all seinen lebendigen Facetten jetzt schon! Mein erster Eindruck ändert sich auch nicht gross, als ich das Zentrum erreiche. Ausser ,dass ich von Mercedes, BMW und anderen schweineteuren Limousinen überholt werde. Auf dem Parkplatz eines Viersterne Hotels kann ich über Nacht stehen und den Schock verdauen.
Die halbe Nacht liege ich wach. Kopfschmerzen, Übelkeit und Hitze (das Thermometer sank kaum unter 28 Grad) lassen mein Stimmungsbarometer im Fall sinken. Trotzdem mache ich mich am Morgen früh auf, um das Leben zu suchen und zu finden. Mein Eindruck vom Vortag bestätigt sich nüchtern und brutal. Unzählige Putzequipen und Gärtner fuseln in den pompösen Parks herum. Genug des Scheins, sage ich zu mir und steche in ein Wohnviertel das äusserlich schon einen anderen Standard aufweist. Metalltüren verschliessen die Blocks, Putz fällt von der Fassade und vor jedem Zimmer hat es eine AC. Ich höre weinende, jammernde und zum Teil schreiende Frauen und sehe eine grosse Menschentraube vor einem Eingang. Beim Vorbeigehen erkenne ich eine aufgebahrte alte Frau. Zum ersten Mal spüre ich Emotionen in diesem so unglaublich distanziert kalten Land. Ein Stück weiter setzte ich mich an den Strassenrand und möchte das Geschehen vor einem kleinen Bazar beobachten. Kaum Platz genommen, kommt ein älterer Mann auf mich zu und schickt mich mit einer wegwischenden Handbewegung, weg. Feindseligkeit und Frust springen mich in Turkmenistan förmlich an! Was für ein Kontrastprogramm zum Iran wird mir hier geboten! Da ich der Gast in diesem Land bin weiss ich was zu tun ist. Schnell weg!
Published on
May 12, 2019

Die Fahrt geht weiter

Ich bin in Tabriz und lenke den Milvus zu einer Tankstelle, um den Weg zu meinem Hotel zu erfragen. Wie erwartet spricht vom Personal niemand englisch. Als ich etwas verloren da stehe, und gerade überlege wie sich mein Problem lösen lässt, da ich kein Internet und also auch kein Google habe, kommt ein Mann und fragt gebrochen: „Wo du?“ Ich nenne ihm den Namen Kaya Laleh. „Ahh, Kaya Laleh“, wiederholt er und „follow me!“ Und wieder einmal kann ich nur staunen über die Hilfsbereitschaft!


Ich sitze im Taxi und lasse mich ins City Center fahren. Den Nerv, mit dem eigenen Fahrzeug ins Gewühl hinein zu kutschieren, habe ich beim besten Willen nicht mehr. Erst Geld wechseln, dann den Bazar erkunden ist mein Plan, welcher ich dem älteren Chauffeur der mich gerade noch so knapp versteht, erkläre. “OK, OK, friend money changer“, und schon hält er am Strassenrand, an einem Eingang zum Bazar. Schnell ist sein Freund zur Stelle und verhandelt mit dem Fahrer den Kurs. Zum Glück hat mich das Hotelpersonal über den aktuellen Schwarzmarkt-Kurs informiert.  Ich müsse mein Zimmer bar bezahlen, sagte die Receptionistin und empfahl mir, in der Stadt zu wechseln. Der Wechselkurs im Hotel sei nämlich miserabel. Ganz herzlichen Dank für eure Hilfe und Ehrlichkeit!
Zurück zum Geldwechsler beim Bazar: Nervös, um sich schauend, setzt er sich auf den Beifahrersitz und wir fahren hundert Meter weiter. Der Taxichauffeur kommentiert die Situation mit: „Police Kamera. No good“. Hier etwas abseits kommen wir dann zum Geschäft. Ich muss nicht feilschen, auch der Money-Changer will mich nicht übervorteilen! Wieder einmal muss ich meine Vorurteile den Iranern gegenüber komplett revidieren.
Bild
Mein Fahrer besteht darauf, mich durch den Bazar zu begleiten. Es sei viel zu gefährlich für mich als Frau und Ausländerin. Es gäbe zu viele Diebe und Verkäufer, die mich bescheissen wollten. Ich willige ein, weil er ein sympathischer Iraner ist und weil er wohl nur aus seinem Beschützer -Instinkt heraus so reagiert. Ich bin überzeugt, dass keine finanziellen Hoffnungen oder gar Forderungen dahinter stecken. Und falls doch, dann ist er nicht der Erste, der meine Entschlossenheit nichts zu bezahlen, zu spüren bekommen könnte.
Wie überall auf der Welt ist der Bazar auf eindrückliche Weise voll gepackt mit Leben! Viele Menschen; sogar mehrheitlich Frauen, enge Gassen, kleine Shops, Gerüche; gute und schlechte und unendlich vielerlei Waren entzücken meine Sinne. Es ist für mich jedesmal eine Freude durch die engen Gassen zu schlendern und den lokale Lifestyle in mich aufzusaugen wie eine Wüstenpflanze nach jahrelanger Trockenheit das Wasser. 
Beim Parfum-Shop muss ich anhalten. Wunderbare Erinnerungen an Damaskus werden in mir wach. Es ist ein Ritual in orientalischen Ländern ein Parfum zu kaufen. Glasfläschchen in allen Farben und Düften werden geöffnet und irgendwo an den Köper, oder besser gesagt auf die Kleidung gesprayt, gestrichen oder gerollt. Obwohl ich mich längst für einen Duft entschieden habe, wird das Ritual bis zum bitteren Ende weiter geführt. Wie immer auf meinen Reisen, stehe ich in solchen Situationen im Mittelpunkt des Geschehens. Eine ganze Menschentraube steht um uns herum und erfreut sich ob diesem Spektakel. Man macht sich ständig ein wenig lächerlich und natürlich auch auf eine gewisse Weise zum Clown. Hier hilft nur über sich selber lachen zu können!
Published on
May 8, 2019

IRAN, ich liebe es!

Es ist weit nach Mitternacht. Ich liege im Dachzelt und lausche dem wilden Treiben um mich herum. Erstaunt nehme ich die laute Musik und die partyähnliche Stimmung wahr. Der Duft der vielen Shishas (Wasserpfeifen) , weht verführerisch zu mir. Aber heute ist doch der erste Tag Ramadan, überlege ich. Natürlich darf man nach Sonnenuntergang essen und trinken. Was ich hier aber wahr nehme, in diesem Park ausserhalb Mashhads, gleicht eher einer Orgie. Ich selber bin gerade von einem herzlichen und absolut köstlichen Abendessen, bei der Familie der Zahnärztin, zurück gekehrt. Als ich endlich innere Ruhe finde, wird mir schmerzlich bewusst, das ich den Iran bald verlassen muss. Grund genug mir meine wunderbare Zeit hier noch einmal Revue passieren zu lassen.
Wenn ich an den Iran denke, stehen die Menschen, ihre unendliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit unumstritten im Vordergrund. Ich habe noch kein Volk kennen gelernt, das so offen, ehrlich und bedingungslos gibt! Respekt, Frauen, Fremden oder anderer Religion gegenüber, wird von den Meisten gelebt. Schliesslich gibt es auch in unseren Breitengraden eine Wenigkeit rüpelhafter Machos oder religiösen Fanatiker. Ich habe weder das eine noch das andere im Iran kennen gelernt.
Viele Begegnungen bleiben mir unvergesslich, weil sie unerwartet, intensiv und spontan entstanden sind, wie die Familie heute Abend, oder der Mann in Tabriz, oder der Safran Verkäufer mit seiner Familie in Esfahan oder, oder, oder …
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Die Natur und das kulturelle Erbe ist einmalig und deshalb so faszinierend, weil es so extrem von unserem westeuropäischen Unterscheidet. Die Kalut Wüste bezeichne ich als mein landschaftliches Highlight. Die hoch aufragenden Yardang Formationen, lassen das karge Gebiet, in eine Zauberwelt aus Schlössern und Burgen verwandeln. Wenn die Sonne den Horizont küsst, wird das grelle, mörderische Licht des Tages in ein warmes Meer aus Orange, weicht die schweisstreibende Hitze einer angenehmen Kühle und die Einsamkeit und Stille wird zu deinem besten Freund.
Nicht das mir die bizarre steinige Bergwelt, oder die weissen, unendlichen Weiten der Salzseen, nicht gefallen hätten. Die Wüste hatte schon immer seinen ganz speziellen eigenen Reiz auf mich. Vielleicht weil der Kontrast zwischen Grausam und Schön, zwischen Leben und Tod so spürbar gross ist.
Obwohl ich konfessionslos bin, begeistern mich immer wieder die eindrücklichen Bauten anderer Kulturen. Iran verfügt, dank ihrer reichlichen Geschichte, vieler verschiedener Völker, über diverser Moscheen und Komplexen, die mich zum Staunen brachten. Es sind keine toten Orte, sondern gepackt mit Leben, Pilgern, Religion und Ehrfurcht. Stundenlang kann ich dem Treiben der Menschen zu schauen.
Dankbar packe ich diese Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen in den Koffer meines Herzen. Sie bleiben bis an mein Lebensende lebendig, unauslöschlich, intensiv und klar verborgen.
Published on
May 4, 2019

Ankunft im Iran

Im Iran sind viele Seiten zensiert beziehungsweise unzugänglich, so auch der Editor meiner Website. Deshalb sind Updates zur Zeit nur sehr spärlich möglich. Ich bin aber wohl auf und geniesse die Zeit hier in vollen Zügen!
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Iran, ein Land mit herzlichen Menschen, fantastischen Landschaften und einem miserablen Image.


Als ich meine Reise plante und meine Familie und Freunde über die Strecke informierte, waren durchs Band weg alle schockiert, dass ich den Iran bereisen wollte. Und die erste Strecke noch als Frau alleine! Es gibt wohl kein anderes Land auf der Erde, das mit einem so schlechten Image behaftet ist wie der Iran. Obwohl ich nie Angst oder Bedenken bezüglich meiner Reise nach Persien hatte, so war ich doch gespannt auf die Einreise und das Unterwegs sein als Frau alleine, bis Marcel kommen würde.


Die Einreise erweist sich als ein Spiessrutenlauf von Schalter zu Schalter. Alles verläuft geordnet und sehr respektvoll. Keine Drängeleien, keine Anmache oder andere Frechheiten. Natürlich ist die ganze Zollzone von XY-Chromosomen dominiert. Bei der Inspektion des Fahrzeuges, wo ich noch eine Salami am Vorabend in die hinterste Ecke versteckte, plaudern wir über die Specials und Vorteile des Campers. Nach eineinhalb Stunden werde ich völlig relaxed in das gelobte Land mit den Worten; „Welcome to Iran“ entlassen. 
Zu diesem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, wie oft ich diesen Willkommensgruss hören werde!
Mein erster Eindruck: Eine grandiose, fantastische, schneebedeckte Bergwelt. Strassenschilder, die ich nicht lesen kann. Menschen die mir am Strassenrand zuwinken und mir immer wieder „welcome to Iran“ zurufen. Lastwagenfahrer, die mir zuhupen und ihren Daumen dem Himmel entgegen strecken und Frauen die in Kopftücher gehüllt mir freundlich und anerkennend zulachen! „Wow“, ich habe vieles erwartet, aber soooo ein Willkommen heissen habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.


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