In der Nacht hat es wiederholt geregnet und auch am Morgen ist es nieseilg und feucht. Schnell ist gepackt und es geht weiter: Von der Küste weg fahre ich Richtung albanische Grenze. Der Lebensstandard ist hier markant anders als noch an der Küste: Die Häuser sehen einfacher oder zum Teil auch zerfallen aus. Es liegt mehr Müll herum als an der Küste, wo einige 4- und 5-Sterne Hotelkolosse hingeklotzt wurden und deshalb die Umgebung müllfrei gehalten wird. Die Fahrt geht nur langsam vorwärts. Die schlechte Strasse ist lange Zeit nur einspurig befahrbar und da wird es schon eng, wenn mir ein Car oder Lastwagen entgegen kommt. 
Der albanische Zoll kommt mir eher wie eine überdimensionale Vogelvoliere vor als wie eine Grenzstation. Von weitem höre ich lautes Vogelgezwitscher. Als ich das Gebäude erreiche und brav in der Warteschlange der Autos stehe, sehe ich wie verschiessen der ganze Boden und die Gebäude sind. Die ganze Zollabfertigung ist offen überdacht und anscheinend ein wunderbarer Nistplatz für hunderte von Vögeln. Mir gefällt das Gezwitscher auf jeden Fall. Es entspannt die ganze Situation des Grenzübertritts. 
Wenn ich an Albanien denke kommt mir immer Richsteiners Doppeladler beim Fussball in den Sinn. Dabei schaue ich werder Fussball noch interessiere ich mich dafür. Trotzdem wurde diese Szene durch alle Schweizer Medien gezogen und hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. 
Aus Zeitgründen war für mich von Anfang an klar, dass ich das Land nur durchfahren werde. Sofort fällt mir hier die Fahrweise der Bevölkerung, mehrheitlich männlich, auf. Es gibt zwei Typen am Steuer: Typ eins schleicht mit kaum mehr als 50 km/h durch die Landschaft. Meist liegt es daran, dass das Gefährt, mehrheitlich mit einem Stern auf der Kühlerhaube, wohl nicht mehr Leistung herausbringt. Nichts desto trotz fährt man(n) selbstbewusst mitten auf der Strasse, um ja nicht zu leicht überholt werden zu können. 
Typ zwei ist auch mehrheitlich mit einem Stern auf dem Kühlergrill unterwegs. Das Fahrzeug ist aber neueren Datums und deshalb vor allem schnell! Das heisst: Wenn ich in den Rückspiegel schaue und noch kein Fahrzeug sehe und ich kaum eine Minute später mit viel Licht geblendet oder gar mit der Hupe von der Strasse geschickt werde, klebt Typ zwei an meiner Stossstange. Beide Fahrstile bereiten mir Sorgen und vermiesen den Fahrspass. Ich habe noch in keinem anderen Land so viele Autofriedhöfe mit angegliederter Garage gesehen wie in Albanien. Landschaftlich hat mir die zweite Hälfte der Fahrt, von Tirana dem Fluss Shkumbin entlang in die Berge hinauf zum Ohridsee gut gefallen. Die Wildkirsche ist in voller Blüte und verzaubert den Flusslauf in ein lila Band. Wieder regnet es und Gewitter ziehen über das Hochland. Es ist kalt und gruselig und es zieht mich trotz spätem Nachmittag nach Griechenland. In der Hoffnung dort die Sonne wieder zu finden. Der Albanische Zöllner fordert mich zum ersten mal auf den Camper hinten zu öffnen, damit er hineinschauen kann und fragt mich offen, ob ich Drogen mitführe. «Natürlich nicht!» fällt es aus mir heraus. Zum Abschied fragt er mich dann noch, ob ich eine Zigarette hätte.