Syrien;
vor dem Krieg ein wunderbares Land
Wir haben Syrien im Jahr 2006 von der Türkei nach Jordanien bereist. Damaskus war für uns ein absoluter Höhepunkt. Der Markt der später im Krieg grösstenteils zerstört wurde, haben wir in quirliger und märchenhafter Erinnerung. Ein Labyrinth voller Leben!
Vor uns liegt tief unten in der Weite das fruchtbare Schwemmgebiet Al Gabh im Jordantal. Wie ein Juwel reihen sich viele verschieden grüne Felder aneinander. Eingebettet wird das mondsichelförmige Land durch die steil dem Himmel zureckenden Gipfel des Jebel Al Alawia, der sich bis zum Euphrat und Tigris erstreckt. Menschen arbeiten hart unter der heissen Sonne mit primitiven Hacken und Hilfsmitteln. Freudig winken sie uns zu.
Auf dem Weg nach Damaskus passieren wir die monumentalen Wasserräder, die Norias. Schwarze Schaufelräder drehen sich Tag für Tag, Jahr für Jahr und bringen Bewegung in den Fluss und somit Leben in dieses Gebiet. Kinder baden und springen wagemutig von einer hohen Mauer in das kühle Nass. Weiter vorne sind die Frauen am Waschen. Immer wieder schwenken sie die Tücher im Fluss, um gleich danach mit einem Holzschlägel kräftig darauf zu klopfen. Hier wird der Schmutz aus der Wäsche geprügelt! Es wird geplaudert und gelacht. Es ist ein Bild der Zufriedenheit und des Glücklichseins.
Über ein wüstenartiges Hochland erreichen wir Damaskus. Die älteste permanent besiedelte Stadt der Welt zieht uns vom ersten Atemzug an in ihren Bann.
Wir stehen vor dem burgähnlichen Eingang zum Souk Hamidiye. Der Souk ist eine unvorstellbar grosse Markthalle. Ein Labyrinth aus Gassen und Gängen. Das Dach ist gewölbt und gewaltige Leuchter hängen schwer von der Decke herunter. Rechts und links drängen sich kleine schmale Shops eng aneinander.
Wie magisch angezogen tauchen wir in den Rausch aus Gängen und Gassen, aus Gerüchen und Gestank, aus Waren und Handelsgütern und vielen, vielen Menschen, ein. Einmal schlendern wir durch die Gasse der arabischen Stoffe und Kleider. Dann finden wir uns wieder zwischen wohlriechenden Gewürzen und Kräutern. Stände mit getrockneten Blüten, wie die Damaskus Rose, Kamille und Ringelblumen, türmen sich in schönen Körben.
Ganz besonderes Interesse finden wir an einem engen, kleinen Parfum-Shop. Diverse grosse und kleine, bunte und weisse, einfache und kunstvoll geblasene Flaschen und Fläschchen, sowie metallene Behälter reihen sich bis zur die Decke auf. Hinter der Theke, auf der eine uralte Waage und weitere Flaschen stehen, lächelt uns ein alter Mann entgegen. Er nebelt die Passanten unverhofft mit seinen Düften ein. Fasziniert schauen wir ihm zu, wie er gekonnt für uns Parfum-Cocktails mixt und mischt. Flaschen werden geöffnet, gewogen und geschüttelt und nochmals ein Wässerchen dazu gegossen bis es stimmt. Dann hällt er es uns zum testen hin. Wunderbar! Und schon sind wieder alle eingenebelt, die zufällig vorbeikommen.
Unsere Augen saugen alles gierig auf, unermüdlich und völlig verzaubert. Wir atmen die verheissene Luft aus 1001 Nacht tief ein. Wir füllen unsere Lungen und fühlen uns in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt. In einer Welt weit weg von unserer und trotzdem so real dass wir sie greifen können!