Beim Aufstehen wird mir schmerzhaft bewusst, das meine Reise heute enden wird. Ich zögere alles hinaus, nehme mir für das Frühstück mehr Zeit als gewöhnlich. Die What app Nachrichten folgen in Minutentakt; " Hi Yvonne where are you? Hi Yvonne, we wait for you"...
Es sind nur noch 120 km bis Osh und ein Grenzübertritt, der wahrscheinlich keine Probleme für mich bereit hält.
Die Sonne lacht und auch ich lache. Zuerst besuche ich aber noch einmal die Seidenfabrik. Am Sonntag wurde da nicht gross gearbeitet. Das Gelände kenne ich ja bereits. Die älteren Frauen die ich gestern fotografiert hatte, sind auch da und freuen sich riesig, über die Bilder! Ich gehöre nun dem Kreis langjähriger Freunde an. Es ist unmöglich, die Frauen stehen zu lassen und weiter zu fahren. Ich kann ihnen anhand meiner Fotos erklären, das ich mit einem Auto von der Schweiz nach Kirgistan unterwegs bin. In der Zwischenzeit hat sich der Raum gefüllt mit weiteren Arbeiterinnen jeden Alters. Die ältere Frau an meiner Seite, scheint den Rang eines Alphatiers zu haben. Sie wird von jeder neu eintreffenden ehrfürchtig begrüsst. Schliesslich pfeift sie einen englisch Sprechenden Guide von der Fabrik heran. Zuviel Fragen brennen ihr auf der Zunge. Als erstes kommt natürlich die Frage, die mir täglich x-mal gestellt wird; " Bist du alleine Unterwegs? Ja klar, kein Problem" antworte ich wahrheitsgetreu. " Hast du denn keinen Mann", kommt es als nächstes wie aus der Pistole geschossen. " Doch natürlich habe ich einen Mann." Ich zeige zur Überzeugung ein paar Bilder von Marcel und mir. Zufrieden nickt sie und macht weiter mit der Fragerei. " Wie lange bist du denn schon ohne deinen Mann auf Reisen? Fast zwei Monate, " kontere ich. Die Alte reisst die Augen auf und ein Schwall wilder Wörter, die ich natürlich nicht verstehe prallen auf mich. Der Guide übersetzt;" Wenn sie nur einmal einen Tag weg will, ohne ihren Mann , gibt es viel Ärger und Probleme". Sie streckt ihren Zeigefinger und fährt sich horizontal über die Kehle, um dem Gesagten eine gewisse Dramatik zu verleihen.  Eine ganze Gruppe Frauen, die sich um uns versammelt haben, prusten los vor lachen! 
Ich werde von einer Delegation Frauen zu den elektrischen Webstühlen geleitet. Der Raum ist dunkel und unglaublich laut! Ich bin in einer anderen Zeitrechnung gelandet. Das Bild, das sich mir bietet scheint eher aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu passen, als ins 21. Jahrhundert. Der Lärm ist ohrenbetäubend und eine Verständigung unmöglich. Wieder im Freien, neigt sich meine neue Freundin ganz nahe an mein Ohr und flüstert mir verschwörerisch "come"! Wie ein Agent schaut sie ob die Luft rein ist und zieht mich ins Herz der Seidenfabrik. Ihrem Verhalten an, ist klar, dass hier keine Touristen hin gehören. Sie öffnet eine Türe. Der Raum ist voll von Ästen mit Seidencocons und dessen Raupen. Fasziniert und dankbar für die Einsicht in das Innerste der Seidenfabrik, verabschiede ich mich von Herzen bei all den liebenswürdigen Frauen. Es ist natürlich spät geworden und meine Freunde in Osh haben wiederholt angefragt wenn ich den nun endlich Osh erreiche! 
In Hochstimmung über diese wunderbare Reisebegegnung mit den Frauen, den Blick auf die schneebedeckten kirgisischen Berge gerichtet, fahre ich der Grenze entgegen. Ich fühle mich frei und zufrieden. Möchte mit keinem anderen Menschen mein Leben tauschen. Das ist es doch was wir alle wollen! An der Grenze in Fergana, machen mir die Zöllner klar, dass es hier für mich kein Durchkommen gibt. Aber auch diese Nachricht, die zusätzlichen Kilometer die damit verbunden sind, können meiner Stimmung nichts abgewinnen. Ich kehre um, fahre zum stark frequentierten Grenzübergang Osh und passiere problemlos. Der kirgisische Zöllner will partout mein Carnet nicht abstempeln, weil es die usbekischen Zollbeamten weder bei meiner Einreise noch bei der Ausreise sehen wollten. Ganz nach dem Motto, wenn die nicht wollen, dann lassen wir das auch besser!
Tja und dann meine glorreiche Einfahrt in Osh. Ich kenne die Stadt, ich brauche nicht nach Navi zu fahren. Alle warten sie auf mich! Sie filmen meine Ankunft, aber vor allem freuen sie sich von Herzen, dass ich die für sie unvorstellbare Reise gemeistert habe!