Kommt man in ein neues Land, wird man jedes mal dazu gezwungen sich völlig neu zu orientieren. Meist ändert die Landeswährung. Das Aussehen und die Umrechnung machen es einem nicht immer einfach, Geld zu wechseln, damit etwas zu kaufen und im Nachhinein zu merken, dass man beschissen worden ist. Es gehört zur Reiseroutine. Auch die Menschen und ihr Verhalten können sich von der auf der Landkarte sichtbaren Linie, erheblich voneinander unterscheiden. Es ist mir jedes mal ein Rätsel, wie sich das verhällt. Schliesslich sind die Grenzen vor noch nicht allzulanger Zeit gezogen worden und die Menschen hatten früher alle gemeinsam in Persien gelebt!
Wie dem auch sei: Beim Grenzübertritt vom Iran nach Turkmenistan änderte sich alles. Und um es vorweg zu nehmen, nicht ins positive!
Ich fahre von einer traumhaft blühenden Bergwelt in die Hauptstadt Turkmenistans. Auf einem sechsspurigen Highway, mit blühenden Rosen in der Mitte, tuckere ich alleine nach Ashgabat hinein. Kaum Autos, kaum Menschen dafür viel Prunk in weissem Marmor und Gold! Hochhäuser stehen wie ein Empfangskomitee links und rechts der Strasse. Kein Plastiksäckchen hat sich irgendwo verirrt oder hängt an einem Strauch. Der Bordcomputer zeigt 39 Grad an. Um alles in der Welt, wo bin ich hier gelandet? In einer toten, unwirklichen Traumwelt? Wo ist das Chaos, wo die Menschen, wo überhaupt ist das Leben? Ein beklemmendes Gefühl kommt im Dasein dieser sterilen Welt auf. Ich vermisse den Iran mit all seinen lebendigen Facetten jetzt schon! Mein erster Eindruck ändert sich auch nicht gross, als ich das Zentrum erreiche. Ausser ,dass ich von Mercedes, BMW und anderen schweineteuren Limousinen überholt werde. Auf dem Parkplatz eines Viersterne Hotels kann ich über Nacht stehen und den Schock verdauen.
Die halbe Nacht liege ich wach. Kopfschmerzen, Übelkeit und Hitze (das Thermometer sank kaum unter 28 Grad) lassen mein Stimmungsbarometer im Fall sinken. Trotzdem mache ich mich am Morgen früh auf, um das Leben zu suchen und zu finden. Mein Eindruck vom Vortag bestätigt sich nüchtern und brutal. Unzählige Putzequipen und Gärtner fuseln in den pompösen Parks herum. Genug des Scheins, sage ich zu mir und steche in ein Wohnviertel das äusserlich schon einen anderen Standard aufweist. Metalltüren verschliessen die Blocks, Putz fällt von der Fassade und vor jedem Zimmer hat es eine AC. Ich höre weinende, jammernde und zum Teil schreiende Frauen und sehe eine grosse Menschentraube vor einem Eingang. Beim Vorbeigehen erkenne ich eine aufgebahrte alte Frau. Zum ersten Mal spüre ich Emotionen in diesem so unglaublich distanziert kalten Land. Ein Stück weiter setzte ich mich an den Strassenrand und möchte das Geschehen vor einem kleinen Bazar beobachten. Kaum Platz genommen, kommt ein älterer Mann auf mich zu und schickt mich mit einer wegwischenden Handbewegung, weg. Feindseligkeit und Frust springen mich in Turkmenistan förmlich an! Was für ein Kontrastprogramm zum Iran wird mir hier geboten! Da ich der Gast in diesem Land bin weiss ich was zu tun ist. Schnell weg!