Es ist weit nach Mitternacht. Ich liege im Dachzelt und lausche dem wilden Treiben um mich herum. Erstaunt nehme ich die laute Musik und die partyähnliche Stimmung wahr. Der Duft der vielen Shishas (Wasserpfeifen) , weht verführerisch zu mir. Aber heute ist doch der erste Tag Ramadan, überlege ich. Natürlich darf man nach Sonnenuntergang essen und trinken. Was ich hier aber wahr nehme, in diesem Park ausserhalb Mashhads, gleicht eher einer Orgie. Ich selber bin gerade von einem herzlichen und absolut köstlichen Abendessen, bei der Familie der Zahnärztin, zurück gekehrt. Als ich endlich innere Ruhe finde, wird mir schmerzlich bewusst, das ich den Iran bald verlassen muss. Grund genug mir meine wunderbare Zeit hier noch einmal Revue passieren zu lassen.
Wenn ich an den Iran denke, stehen die Menschen, ihre unendliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit unumstritten im Vordergrund. Ich habe noch kein Volk kennen gelernt, das so offen, ehrlich und bedingungslos gibt! Respekt, Frauen, Fremden oder anderer Religion gegenüber, wird von den Meisten gelebt. Schliesslich gibt es auch in unseren Breitengraden eine Wenigkeit rüpelhafter Machos oder religiösen Fanatiker. Ich habe weder das eine noch das andere im Iran kennen gelernt.
Viele Begegnungen bleiben mir unvergesslich, weil sie unerwartet, intensiv und spontan entstanden sind, wie die Familie heute Abend, oder der Mann in Tabriz, oder der Safran Verkäufer mit seiner Familie in Esfahan oder, oder, oder …
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Die Natur und das kulturelle Erbe ist einmalig und deshalb so faszinierend, weil es so extrem von unserem westeuropäischen Unterscheidet. Die Kalut Wüste bezeichne ich als mein landschaftliches Highlight. Die hoch aufragenden Yardang Formationen, lassen das karge Gebiet, in eine Zauberwelt aus Schlössern und Burgen verwandeln. Wenn die Sonne den Horizont küsst, wird das grelle, mörderische Licht des Tages in ein warmes Meer aus Orange, weicht die schweisstreibende Hitze einer angenehmen Kühle und die Einsamkeit und Stille wird zu deinem besten Freund.
Nicht das mir die bizarre steinige Bergwelt, oder die weissen, unendlichen Weiten der Salzseen, nicht gefallen hätten. Die Wüste hatte schon immer seinen ganz speziellen eigenen Reiz auf mich. Vielleicht weil der Kontrast zwischen Grausam und Schön, zwischen Leben und Tod so spürbar gross ist.
Obwohl ich konfessionslos bin, begeistern mich immer wieder die eindrücklichen Bauten anderer Kulturen. Iran verfügt, dank ihrer reichlichen Geschichte, vieler verschiedener Völker, über diverser Moscheen und Komplexen, die mich zum Staunen brachten. Es sind keine toten Orte, sondern gepackt mit Leben, Pilgern, Religion und Ehrfurcht. Stundenlang kann ich dem Treiben der Menschen zu schauen.
Dankbar packe ich diese Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen in den Koffer meines Herzen. Sie bleiben bis an mein Lebensende lebendig, unauslöschlich, intensiv und klar verborgen.