Wir fahren vom Einkauf in Arusha, hinaus in die Masai-Steppe nach Hause. Das Land ist staubtrocken und gleicht einer Mondlandschaft. Tiefe Erosionen haben die Savanne aufgeschlitzt. Nun liegt sie mit offenen Wunden, den Korongos links und rechts der Strasse. Sie frönen einer Dramatik, die jeder Landschaft das Leben aushaucht. Kein Grashalm weit und breit. Sogar die Blätter der Tamarisken und Akazien haben ihr immer kräftiges Grün verloren und kämpfen ums Überleben in einem grau-grünen Farbton. Seit über fünf Monaten hat es nicht mehr geregnet. Die Trockenzeit fordert seinen Tribut.
Jedes Lebewesen lechzt nach Wasser. Der Himmel zeigt sich nur blassblau, um sich allem anzupassen. Es liegt viel Staub in der Luft. Jeder Schritt hinterlässt eine kleine Staubwolke. Rinderherden ziehen eine Meter lange Staubfahne hinter sich her. Sie sind von weitem sichtbar. Die mageren Tiere und ihre jungen Masai Hirten hinterlassen ein bedrückendes Gefühl der Hilflosigkeit in uns.
Auf der Darakuta fliessen zwei verschiedene Flüsse vom Rift hinab durch das Land. Sie versorgen das Leben über das ganze Jahr mit Wasser. Was für ein Segen für Mensch und Tier.
Wir fahren durch das verdorrte Land zu uns hinauf. Tiere und Natur sind in einen tiefen Schlaf gefallen, um zu überleben. Zum gesamten Schicksal brennt der Wald hinter unserem Haus lichterloh. Das Rift in Flammen, weit hinab bis vor unsere Haustüre. Ganz nach Tradition, haben die Wairak, das ansässige Volk auf dem Rift das Gras angezündet. Mit dem Feuer, dass natürlich niemand unter Kontrolle hat, sollen die schädlichen, wie natürlich auch die nützlichen Wadudus (Insekten) zerstört werden. Wenn der Regen einsetzt, erwachen hellgrüne Grashalme, jungfräulich zu neuem Leben.
Abends sitzen wir auf unserer Terrasse, schauen in die Weite und beobachten dieses faszinierende, eindrückliche und dennoch so tödliche Spektakel.
In dieser Nacht nehmen wir ausser den Streitereien der Bushbabys kaum andere Tiere wahr. Die Zikaden sind verstummt und auch sonst scheint das Leben entschwunden zu sein.
Trockenes Land riecht nach eigenem Schweiss und Leere.
Dann irgendwann, nach langer Leidenszeit, nach vielen Wunschschlössern in denen Tropfen vom Himmel fielen, ziehen die ersten dunklen Wolken auf. Sie kommen näher. Wir warten gespannt, wie Kinder aufs Öffnen der Weihnachtsgeschenke. Dann werden endlich die Himmelsschleusen geöffnet.
Der erste Tropfen fällt schwer wie ein Kieselstein auf das Wellblechdach. Dann noch einer und noch einer, bis das Wellblechdach ein Singsang der Erleichterung und Befreiung in die Nacht hinaus singt.
Das Land saugt das Wasser auf, wie ein verdurstendes Tier. Wenn der Regen die Erde tränkt, tobt das neugeborene Leben der Wildnis. Die Jäger kommen hervor und stillen ihren Hunger. Wo waren sie die ganze Zeit? Wir können sie nun hören, die Hyänen, den Leoparden. Die Ginsterkatzen können wir auch sehen. Was für ein anmutiges, graziles Tier.
Ihr Fell gleicht dem eines Geparden. Es ist schwarz getupft auf grauem Fell. Der Schwanz ist sehr lang, flauschig und gestreift. Sie ähnelt einer Mischung aus Hauskatze und Marder.
Abends stellen wir immer unseren Kompostkübel vor den Eingang. Die Ginsterkatzen kommen jede Nacht vorbei und schauen, ob es Futter für sie im Kübel hat. Früchte wie Mango oder Banane lieben sie besonders.
Einmal, wir kamen erst spät von unseren Freunden zurück, sah ich die Katze beim Essen. Dhahabu, meine Hündin und Jägerin, sprang aus dem offenen Fenster und überraschte die Wildkatze. Mit einem Biss brach sie ihr das Genick. Ich eilte sofort herbei und sah fasziniert, aber auch angewidert dieses wunderschöne Geschöpf hilflos am Boden liegen. Die Gingsterkatze lebte noch, konnte sich aber nicht mehr bewegen. Panisch rief ich die Massai herbei. Ich befahl einem das Tier sofort zu töten. Jackson erledigte das schnell und unkompliziert mit seiner Machete. Der Kadaver, so sagte er mir später, habe er ins Porini (Wildniss) geworfen. In dieser Nacht hatten wir die Hyänen so nahe am Haus wie noch nie.